Verantwortungslos - oder radikale Nachfolge?

Schon krass, was ich da gerade auf idea.de gelesen habe: Weil eine Spende in Höhe von 2,1 Millionen (!) Euro aus einem Glücksspiel-Gewinn stammte, lehnte der Leiter der “Lighthouse Mission”, James Ryan, diese ab. Er wolle mit seinem Dienst Menschen helfen und sie ermutigen, frei zu werden von Süchten. Das wäre ein wenig unglaubwürdig, wenn es mit Geldern aus dem Glücksspiel finanziert werde.

Das Geld wäre - unter anderem - 3000 bedürftigen Menschen zugute gekommen, denen das Nötigste zum Leben fehlt.

Ist das nun verantwortungslos oder eine radikale Nachfolge Jesu?

6 Responses to “ Verantwortungslos - oder radikale Nachfolge? ”

  1. Wirklich ‘ne spannende Frage. Zumal ich mir mal fest vorgenommen habe: Wenn ich je Lotto spielen sollte, dann nur, um den größeren Teil des etwaigen Gewinns zu spenden… Auf solche Unwägbarkeiten war ich nicht gefasst. :-/

  2. Eine spannende Frage, die sich aber vom Neuen Testament her von selbst beantwortet!

    In 1. Kor 10 setzt sich Paulus mit der Frage auseinander, ob es einem Christen erlaubt sei, Fleisch zu essen, das aus einem Götzenopfer stammt. Die hier kurz skizzierte Antwort gibt das Gewissen: Gegessen werden sollte solches Fleisch nur dann nicht, wenn es das Gewissen dessen belastet, der es mir vorsetzt.

    Analog dazu würde die Antwort auf die Verwendung von Spendengeldern, die aus einem Lottogewinn stammen, lauten: solange es das Gewissen des Spenders nicht belastet, sprich: solange dieser nicht davon ausgeht, daß dieses Geld aufgrund seines Ursprungs an sich “unrein” ist, gibt es keinen Hinderungsgrund für die Annahme des Geldes.

    Erstens aber geht davon in einer säkularen Gesellschaft wohl kein Lottogewinner mehr aus - sprich: die Gewissensfrage hätte sich schon damit erledigt. Und selbst, wenn ein Rest Aberglaube vorhanden wäre: die Hilfsorganisation hätte die Möglichkeit gehabt, dem Spender gegenüber zu bezeugen, daß nicht etwa die Tatsache des Lottospiels als solche an der “Qualität” des Geldes etwas ändert, sondern einzig und alleine der (Aber)Glaube daran - und damit sein Gewissen möglicherweise entlasten.

    Wenn aber der Gewinner das Geld einer christlichen Hilfsorganisation spenden will, bringt er damit schon zum Ausdruck, daß es ihm um das “Wozu” des Gewinnes geht, nicht um das “Woher”.

    Wenn hier also irgendwo akuter Aberglaube herrschen sollte, dann seitens der Hilfsorganisation, nicht seitens des Spenders. Die Hilfsorganisation stellt - aus einer vermutlich gegenstandslosen Angst heraus - ein moralisches oder auch problematisch interpretiertes geistliches Prinzip über das Wohl von Tausenden von Menschen, denen das Geld zugute kommen sollte. Und hat damit obendrein noch versäumt, dem Spender gegenüber ein echtes Zeugnis abzugeben.

  3. Ich finde es moralisch sauber, das Geld nicht anzunehmen. Damit wird eine Vorbildfunktion ausgedrückt: “Nein, wir wollen nicht, dass jemand (für uns) an Glücksspielen teilnimmt.” Denn die Gefahr der Sucht steht immer im Raum - auch wenn sicherlich nicht jeder Lottospieler “abhängig” ist. Trotzdem wird damit ein Zeichen gesetzt!

  4. Es ist allerdings so gut wie ausgeschlossen, daß sich Menschen vom Glücksspiel abbringen lassen, weil eine Hilfsorganisation Spenden ablehnt, die aus einer solchen Quelle kommen.

    Wer spielt denn bitteschön Lotto, damit er anschließend das Geld spenden kann? Niemand. Man macht sich höchstens den Vorsatz, im Falle eines Gewinnes einen gewissen Teil, wenn nicht sogar den Großteil zu spenden - aber das ist doch nicht Motivation des Glücksspiels. Wer Geld spenden will, spendet direkt.

    Insofern würde ich in Frage stellen, ob die Ablehung der Spende tatsächlich “moralisch sauber” war. Geholfen war damit auf jeden Fall schon mal niemandem. Und darüber hinaus sollte man sich m.E. Gedanken darüber machen, ob man die grundsätzliche Fragestellung, ob Glücksspiel akzeptabel ist oder nicht, über das Wohl derjenigen Menschen stellt, für die man eigentlich Spenden sammeln will. Lottospielen ist immerhin eine legale Angelegenheit - und auch aus biblischer Sicht nicht kategorisch verwerflich, sondern nur unter der Prämisse, daß man damit sein Herz ans Geld hängt und sein Schicksal nicht mehr als ein unter Gottes Hand befindliches sondern als blindes Geschick versteht. Diese Prämisse ist aber mit Sicherheit nicht bei jedem Lottospieler gegeben …

    Ich nehme an, der Lottogewinner hat die Summe nun einer anderen, weniger engstirnigen Organisation zur Verfügung gestellt - und vielleicht ist das Geld dort sogar besser aufgehoben. ;-)

  5. [...] annehmen, die aus einem Lotteriegewinn stammen? Diese Frage stellt David Brunner auf seinem Blog brunner24.com. Als Anlaß dient eine Meldung von idea.de, wonach eine evangelikale Hilfsorganisation eine [...]

  6. Ich find’s absolut verantwortungslos. Das ist Prinzipientreue, die ich absolut verabscheue. Angesichts tausender Menschen, denen mit soviel Geld geholfen werden kann, halte ich es für zynisch, von “moralisch sauber” zu sprechen… Ich vermute mal, Jesus hätte das Geld genommen. Aber das kann ich natürlich nicht beweisen. ;-)

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