Studienreise Tag 8: Mission shaped Church auf dem Land.
[singlepic=230,320,240,web20,left]Auf diesen Tag habe ich mich schon lange gefreut. Kurz nach 8 Uhr machen wir uns auf den Weg ins britische Hinterland, genauer gesagt nach Skegby. Dort treffen wir Dr. Richard Kellett. Er ist Pastor einer kleinen Dorfgemeinde und lebt „Fresh Expressions“ auf dem Land. Der Absolute Hit ist die Kirche: eine kleine, uralte Kirche, in denen jede Menge Banner hängen, eine Leinwand steht, ein Beamer angebracht ist und hinten das große Mischpult steht. Dazwischen die hölzernen Kirchenbänke, traditionelle Kircheneinrichtung par excellence. Das hat echt Charme. Wie immer gibts Kaffee, Tee und Kekse zur Begrüßung. Der Hit, wie gastfreundlich die Engländer sind.
Wir hören von Dr. Kellett einen kleinen Vortrag über die „mission shaped church“ auf dem Land und er berichtet uns, was er so alles geändert hat, aber auch welche, Kämpfe er „durchstehen“ musste. Beispielsweise als er einführte, dass alle (!) Geburtstagsbesuche im Dorf von Mitgliedern des Besuchsdienstkreises gemacht werden und keiner mehr vom Pfarrer. Das ist für manche immer noch nicht nachvollziehbar, aber ich finde es eine konsequente Umsetzung des Team-Gedankens und der Freisetzung von Kräften durch Konzentration auf Kernkompetenzen.
Darüber hinaus sind die hölzernen Kirchenbänke nicht nur unbequem, sondern auch flexibel. Sie sind nicht fest verankert wie in anderen Kirchen und so wird die Kirche (!) jeden Montag Nachmittag komplett umgebaut und umgestaltet für das Kinderprogramm.
[singlepic=231,320,240,web20,left]Auch sozialdiakonisch ist die Gemeinde am Start. „The Vine Tree“ ist ein Second-Hand-Laden, der von der Gemeinde betrieben wird und „Bedürftige“ hier günstiger an Kleidung kommen, aber auch seelsorgerliche Gespräche immer wieder stattfinden und sie Lebenshilfe und Glaubenshilfe erfahren.
Zu guter letzt beeindruckt mich Dr. Kellett dadurch, dass sein Schwerpunkt nicht auf den Jugendlichen oder jungen Erwachsenen liegt, Es gibt in dem Kaff jede Menge ältere Menschen und warum nicht mit diesen „Fresh Expressions of Church“ leben? Denn, so Skellett, „es gibt auch eine Erneuerung unter älteren Menschen!“ Amen dazu.
Danach fuhren wir in einen weiteren kleinen Ort (man könnte auch Kuhkaff sagen) um die Kirche anzuschauen. Eine sehr kleine, alte Kirche mit der wohl teuersten Kirchen-Toilette. Die hat nämlich 40.000 Euro gekostet, weil die Wasserleitungen noch nicht so ausgefeilt waren, wie sie sein sollten und erst neu errichtet werden mussten. Aber was tut man nicht alles für die Not seiner Gemeindeglieder…
Am Mittag waren wir bei Rev. Peter Atkins in Nettleham - auch ein Dorf. Aber was wir dort hörten, zog uns mehrmals die Schuhe aus und ließ unsere Kinnladen sonst wo runterfallen. Hier wird eine „kingdom theology“ gelebt, wie sie die Kirche durchschlagkräftiger macht, um die Gesellschaft zu erreichen.
[singlepic=232,320,240,web20,right]Der Pastor dieser freien (!) Gemeinde, der sein Geld von der „Church of England“ (!) bezieht (man stelle sich vor: hierzulande gründet jemand eine Freie Gemeinde und wird von der Landeskirche bezahlt) erzählte uns, wie sich die Gemeinde aus einem „Gebets- und Hauskreis“ heraus gründetet und wie vor Ort und im Umkreis die Pastoren und Pfarrer der unterschiedlichen Gemeinden zusammenarbeiten, teilweise auch gemeinsame Events veranstalten, um die Gesellschaft zu erreichen. Hier wird nicht geschaut, ob der Pfarrer in der Landeskirche, einer landeskirchlichen Gemeinschaft oder einer Freien Gemeinde ist. Hier geht es nicht um „meine Kirche“, sondern um „Reich Gottes“ - und die Kräfte werden geündelt und zielgerichtet eingesetzt für missioanrische Veranstaltungen wie Alpha-Kurse, festliche Dinners, „James-Bond-Abende“ oder andere Feste, bei denen Christen mit Nichtchristen feiern und Zeit verbringen. Der Grund ist einfach: diese Pastoren und Pfarrer haben erkannt, dass lediglich 5% der Bevölkerung in die Kirche gehen und „man“ was tun muss, damit sich das ändert. Und da man die Dinge gemeinsam besser auf die Reihe bekommt als alleine, werden sie gemeinsam gemacht.
Es geht eben darum, primär den Blick für das Reich Gottes zu haben und nicht für die eigene Gemeinde.
[...] Tag 8: Mission Shaped Church - auf dem Land. [...]