Studienreise Tag 6: Notthingham - more than Robin Hood.
[singlepic=225,320,240,web20,left]Wieder einmal machten wir uns nach einem englischen breakfast in aller Frühe auf die Socken - dieses Mal um nach Nottingham zu fahren. Und das sollte mal ein echt interessanter Tag werden in der Heimat von Robin Hood.
Morgens waren wir im St. Johns College. Eine sehr geniale Einrichtung. An diesem College studieren Menschen, die „auf dem zweiten Bildungsweg“ Pfarrer werden wollen, das heißt: Menschen, die einen anderen Job haben oder etwas ganz anderes studiert haben.
Ungefähr zwei Jahre dauert diese Ausbildung, an der die Studenten am College studieren und auch leben. Nach Aussage der Direktorin, haben sie drei Ziele: die Ausbildung, die Gemeinschaft und die persönliche Beziehung zu Gott. In allen diesen drei Bereichen sollen die Studenten wachsen. Das geht soweit, dass geistliche Verantwortungsträger mit den Studierenden beten, um deren Vision und Berufung klar zu bekommen. Will heißen: man stelle sich nur mal vor, dass der Dekan eines Kirchenbezirkes mit den Pfarrern und Vikaren betet um deren geistliche Berufung herauszuhören.
Einmal mehr die Gewissheit: in der anglikanischen Kirche ist man uns echt schon einige Schritte voraus. Einerseits ist das immer wieder schön, da wir jede Menge Anregungen und Ideen mitnehmen und ich zumindest angespornt werde, auch „da hin zu kommen“ - andererseits traurig, dass wir hier in Deutschland, hier in Baden immer noch (bei allem Fortschritt, den ich gerade in Baden sehe) so festgefahrene und überkommene Strukturen haben, die den Menschen der heutigen Zeit alles andere als dienlich sind.
Am Mittag wurde es dann ein wenig komplizierter. Wir lauschten im „University Club“ der Uni Nottingham den Worten eines etwas älteren, englisch-charmanten Professors namens Anthony C. Thiselton - ein faszinierender Mann. Hermeneutik in der Postmoderne war das Thema. Nicht unbedingt das einfachste, einem Vortrag zu diesem Thema zu lauschen, der von einem absoluten Genie auf diesem Gebiet zu einer Zeit gehalten wird, in der man eher an Mittagsschlaf denkt als an einen Vortrag in fremder Sprache. Aber nett war es dennoch. Denn: „we don‘t have to worship and we don‘t have to fight postmodernism“. Und da hat‘s bei mir den Schalter umgelegt: es geht doch nicht darum, dass wir uns ein Programm erarbeiten, um uns den Stempel „Postmoderne“ aufzudrücken, sondern vielmehr darum, herauszufinden, welche Erscheinungsweisen der Postmoderne für unsere kirchliche Arbeit nutzbar gemacht werden können und welche nicht.
[singlepic=226,320,240,web20,right]Interessant - aber nicht neu - waren die Ausführungen zu „Korinth als postmoderne Gemeinde“. Was auf der einen Seite ein wenig merkwürdig klingen mag korreliert auf der anderen Seite mit der Einschätzung Thisseltons, dass Postmoderne keine Epoche, sondern vielmehr eine Einstellung ist. Insofern kann man religionsphänomenologisch durchaus der Ansicht sein, dass Korinth postmodern war.
Abends dann machten wir uns auf den Weg in das älteste Pub Englands: „Ye old trip to Jerusalem“. Schon die Kreuzritter saßen hier und tranken ihr „Old Jerusalem“, als sie auf den Weg nach Jerusalem waren. Ein sehr schönes, uriges Pub.
“Man stelle sich nur mal vor…”: Eigentlich erschreckend, dass es dafür dermaßen viel Vorstellungskraft erfordert.
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