Sehnsucht nach den Heiligen.

Vergangenen Montag war hier im Kirchenbezirk »Ökumenischer Pfarrkonvent«. Dabei hielt Dekan Heimburger einen Vortrag mit dem Titel »Sehnsucht nach den Heiligen«. Dieser Vortrag war gezielt so gewählt, war doch ein Tag später Reformationsfest und zwei Tage später »Allerheiligen«. Für mich wurde eine Frage geklärt:Wieso beten Katholiken zu Heiligen? Und: werden die Heiligen angebetet? Kommen sie also Gott gleich oder nicht? Der katholische Dekan verglich es damit, dass wir auch hier auf Erden Geschwister bitten, sie mögen für uns beten, beispielsweise wenn wir krank sind, sollen diese Geschwister Fürbitte bei Gott tun, dass wir gesund werden. Nichts anderes tun Katholiken, wenn sie zu Heiligen beten: sie bitten sie um Fürbitte.

Das war für mich schon einmal sehr erhellende: die Heiligen werden also nicht angebetet oder verehrt im Gebet. OK. Soweit so gut. Wäre da nicht eine Frage: Wie haben wir Christen uns den Zustand eines Menschen nach dessen Tod bis zur Parusie Christi vorzustellen? Für mich ist das die entscheidende Frage, um auch eventuelle eine Differenzierung von »Heiligenverehrung« und Totenbeschwörung zu bekommen.

Da ich denke, dass der »Jüngste Tag« kein individuelles Geschehen ist, sondern vielmehr auch im Neuen Testament (die Reden Jesu am Ende der Evangelien; eschatologische Aussagen des Paulus in seinen Briefen; die Offenbarung des Johannes) rein objektiv geschildert wird, glaube ich, dass alle Menschen, die sterben, auch wirklich tot sind und noch nicht auferstanden sind. Ob man das »Zwischenzustand« oder auch anders nennt, ist egal. Aber der »Jüngste Tag«, der Tag des Gerichts, an dem vollendet wird, wer die Ewigkeit mit und wer die Ewigkeit ohne Gott verbringt, ist ein Tag, der stattfinden wird - und zwar für alle Menschen. Keiner kann diesen Tag für sich vorwegnehmen.

Aus diesem Grund glaube ich auch nicht, dass einige Menschen schon im ewigen Leben sind, sondern dass sie genauso darauf warten, wie alle anderen, die Christus folg(t)en, auch. Ansonsten würde die Schilderung der Parusie und die damit verbundenen Vorgänge durch den Apostel Paulus im 1. Thessalonicher-Brief nicht wirklich einen Sinn machen.

Wenn nun aber kein Mensch bei Gott ist, sondern die Auferweckung zum Leben und zum Gericht erst noch stattfinden wird, sind alle Menschen, die gestorben sind, auch wirklich tot bzw. in einem nicht-lebendigen Zustand. Also ist das Beten zu Verstorbenen (wie heilig sie auch immer sein mögen) abzulehnen.

Den oben erwähnten Vortrag von Dekan Heimburger kann man unter www.projektkirche.de/materialien.html herunterladen. Er befasst sich kaum mit der Frage nach dem Tod und dem Leben nach dem Tod, sondern vielmehr mit der Frage nach der Entstehung der Heiligenverehrung. deren Charakteristika und eine Darstellung der protestantischen Sicht dazu. Sehr lesenswert.

One Response to “ Sehnsucht nach den Heiligen. ”

  1. Sehe ich genauso!:)

    Gruß

    Jo

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