Nordelbien und seine Bischöfe.
In der Nordelbischen Kirche wird am 12. Juli 2008 für den Sprengel “Schleswig” ein neuer Bischof gewählt. Zur Wahl steht unter anderem Propst Dr. Horst Gorski. Nun habe ich auf der Homepage des von mir auf Grund seiner sauberen exegetischen Arbeitsweise sehr geschätzten Alt-Landesbischofs, Prof. Dr. Ulrich Wilckens, einen Aufruf gefunden, die Mitglieder der Synode mögen Herrn Gorski nicht wählen, da er sich von den Grundlagen um Bibel une Bekenntnis entfernt habe.
Ich finde das einen mutigen und unterstützenswerten Schritt - wesegen ich hier auch etwas schreibe.
Grund der “Klage” ist die Predigt an Karfreitag 2006.
Dr. Gorski sagt zwar zutreffend, „die Aussage …, dass [Christus] für uns gestorben ist und dass wir durch sein Blut erlöst sind“, mache „heute vielen Menschen schwer zu schaffen“. Aber statt solchen Menschen diese Grundaussage des Evangeliums in ihrem Sinn zu erklären, pflichtet er ihnen bei und sagt gezielt im Gottesdienst am Karfreitag: „Wir dürfen uns von ihr lösen. …Wir selber … sind frei andere Wege der Deutung des Todes Jesu zu gehen, wenn wir wollen.“ Ja, er erklärt dann sogar: „Der Tod Jesu war nicht notwendig, damit Gott sich mit uns versöhnt und uns vergibt. Die Behauptung einer solchen Notwendigkeit ist eines der größten Missverständnisse der christlichen Geschichte“. Nur Menschen seien es, die Jesus umgebracht haben. Gott habe darin nicht gehandelt, sondern vielmehr „Jesu Tod mit erlitten“, um an diesem herausragenden Beispiel uns zu zeigen, „dass er unser Leid mit uns teilt … Wer verwundet wird, ist nicht von Gott verlassen“. Die Vorstellung dagegen, Gott habe Jesus an unserer Statt in den Tod gegeben, um uns Sünder auf diese Weise mit sich zu versöhnen, widerspreche gröblich allen humanen Vorstellungen eines liebenden Gottes. „Versöhnung kann doch auch einfach aus Liebe und in einem Akt der Zuwendung geschehen“. [so Wilckens in seinem Aufruf]
Klar. Deswegen haben wir uns ja alle auch soooo lieb. Meine Güte, wieso muss man so lange Theologie studieren, einen Dr.-Titel haben um dann so was zu verzapfen?
Den Aufruf von Bischof Wilckens gibt es hier.
Die Predigt von Dr. Gorski kann man hier nachlesen.
Hallo, ich bin auf der Suche nach dem Stand der Bischofswahl auf diesen Beitrag gestoßen. Ich empfinde es keineswegs als “Unsinn verzapfen”, wenn sich jemand einmal offen auf die Suche nach Lösungen für das Dilemma macht, dass Gott (a) die Liebe selbst sein soll und im Gegenzug seinen Sohn brutalst leiden lässt und (b) große Wunder vollbringen kann und im Gegenzug keine Alternative für eine Versöhnung gehabt haben soll. Dass Herr Wilckens Belege für eine andere Sichtweise hat, ist korrekt. Dennoch ist seine anschließende Anmerkung zur Versöhnung meines Erachtens unpassend und somit nichtig. Für eine Versöhnung nach dem Mord an Millionen Juden ist ganz sicherlich ein “Akt der Zuwendung” die Grundlage, wie sollte das Gott-Jesus-Menschen-Versöhnungsschema zu übertragen sein? Wissentlich überspitzt: Sollen Juden sich erniedrigen, damit wir Deutsche wissen, dass sie uns verzeihen?
Weiterhin schreibt er: “Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild. Jedes Unrecht, das Menschen angetan wird, wird Gott angetan. Nur Gott also kann Sünde vergeben.” In meinen Augen sind beide Schlussfolgerungen Unfug: Was ich einer Bekannten angetan habe, habe ich ihrer Zwillingsschwester noch lange nicht angetan. Und was ich einem Menschen angetan habe, hat mit Sünde im engeren Sinne (als Trennung von Gott) nichts direkt zu tun: Ein Mensch kann eine Missetat meinerseits vergeben; die (möglicherweise bewusste) Trennung von Gott kann nur Gott vergeben - dies sind zwei Paar Schuhe.
Und nun zum Kern: Warum die äußerste Selbsthingabe _notwendig_ sein solle, erklärt Wilckens leider nicht. Wer sollte Gott in diese engen Schranken gewiesen haben? Dafür bietet die Bibel meines Erachtens keine Erklärung (abgesehen davon, dass dies zu hoch sein solle, als dass wir es begreifen könnten - aber damit kann man es sich auch zu einfach machen).
Einen schönen Gruß!