Kontakt-Flut.
Ich sitze an meinem Rechner und möchte gerne eine Rundmail an Freunde schreiben. Alles kein Problem. Ich tippe die Zeilen, öffne das Adressbuch - und dann beginnt das Grauen. Wer bitteschön gehört zu »meinen Freunden«? Unfassbar. Da habe ich ein Adressbuch mit was weiß ich wievielen Adressen drin - und weiß nicht mal, wer meine Freunde sind. Kann das sein?
Herzlich willkommen im 21. Jahrhundert. Ein Jahrhundert, geprägt durch Annonymisierung, Oberflächlichkeit und fehlender Menschlichkeit. Ein hartes Urteil? Mag sein. Aber man muss die Dinge ja beim Namen nennen.
Anonymisierung
Wie oft entdecke ich mich, gerade bei ein wenig unbequemen Dingen, schnell mal eine Email der betreffenden Person zu schreiben, anstatt sie anzurufen oder das persönliche Gespräch zu suchen. Ganz beliebt war dieses Spielchen in meinem Studium, als ich mit Professoren bzw. Dozenten irgendetwas abzuklären hatte. Die Technik machts möglich, dass ich hinter meinem Rechner geschützt den Kontakt suchte. Aber wehe, in der Email kam die Aufforderung, ich solle doch in die Sprechstunde kommen…
Oberflächlichkeit
»Hilfe, mein Posteingang quillt wieder über!!!« Dieses Szenario ereignet sich bei mir alle paar Wochen, wenn ich mal wieder keine Zeit hatte, auf Mails zu antworten. Und was passiert dann? Ganz klar: Jede Mail wird angeschaut, man hackt ein paar Zeilen in den Rechner, schickt das gute Teil weg und hat ein vollkommen befridigtes Gewissen - denn schließlich habe ich ja auf die Mail geantwortet. Dass es manchmal nur ein oberflächliches Blabla ist, stört mich nicht. Das Gewissen ist ja beruhigt.
Fehlende Menschlichkeit
Ob ich es will oder nicht: die oben aufgezeigten Verhaltensweisen dienen nicht wirklich dazu, die Welt um uns herum menschlicher zu gestalten. 3D Blogger Daniel hat in seinem Beitrag zum Thema auf die nette Tante hingewiesen, der man ja einen Besuch abstatten könnte. Werner Küstenmacher meint, so schreibt Daniel, dass man solche Kontakte mal locker ad acta legen könne.
»6! Setzen, Herr Küstenmacher!« Gerade diese Kontakte, die nicht um meinetwillen, sondern um des anderen willen in unserem Adressbuch stehen sind die Kontakte, die wertvoll sind.
Zum Schluss: Ich denke nicht, dass wir aussieben müssen, dass wir einen Schnitt machen müssen, wie Daniel es angedeutet hat in seinem Beitrag. Es geht vielmehr darum, dass wir uns selbst die Frage stellen, welche Kontakte uns wichtig sind, in welche Kontakte wir investieren. Dann spricht nichts dagegen, in diversen Communities vertreten zu sein wie beispielsweise dem Studiverzeichnis, MySpace, Xing oder auch anderen.
Und ich habe auch kein Problem damit, dass man in diversen Communities ist oder Adressen in seinem Adressbuch hat, die einem einen Nutzen versprechen. Alles no problem - solange es auch die Kontakte gibt, die ich um des anderen willen habe.
Und zu guter letzt: Ich kann 500 Adressen und Kontakte in meinem virtuellen Adressbuch haben. Wenn ich aber zu weniger als 25 von diesen 500 Adressen auch einen presönlichen Kontakt pflege, und zwar in »real life«, habe ich wirklich ein ernsthaftes Problem!
Dieser Beitrag ist der Startschuss für das »3D Bloggen«. Dahinter verbirgt sich nicht eine neue Technologie des Bloggens, sondern schlicht und einfach ein kleines Projekt. Simon de Vries, Daniel Schlunk und meine Wenigkeit werden immer mal wieder zu einem bestimmten Thema bloggen. Ergänzend, kontrovers und vernetzend. Auf dass Raum für mehr Dynamik, Diskussion und Interaktivität entsteht.
…gutes Einstiegsbeispiel! Genau das Problem habe ich auch laufend. Spiele schon mit dem Gedanken, verschiedene Ordner anzulegen: “Freunde” (die bekommen alles - auch sehr private Dinge), “Bekannte”, “Ferner liefen…”. Na ja. Auch nicht so das Wahre.
[...] In einer ersten Reaktion schildert Dave eine typische Situation: An welche Empfänger soll die Rund-email gehen…?! Wer gehört denn nun zu meinen »Freunden«?! [...]
Solch eine Differenzierung habe ich mir auch schon überlegt. Aber was sind dann die Kriterien dafür? ,;-)