Kirche mit Zukunft!? (2)

Ich bin ehrlich gesagt schon überrascht, wie positiv dieses Impulspapier (www.ekd.de/ekd_kirchen/zukunftskongress.html) der EKD zur Zukunft der Kirche ist.

»Nach evangelischem Verständnis gibt es keine heiligen, unantastbaren, unveränderbaren Organisationsstrukturen« heißt es da (S.13). Oh ja. Dem kann ich nur zustimmen. Leider ist es doch all zu oft der Fall, dass sich Kirche selbst im Weg steht, weil sie viel zu starr und unflexibel ist. Wie schön ist es dann in diesem Papier zu hören, dass es eben keine »heiligen Strukturen« gibt. Aber wird das auch gelebt? Ist das wirklich jedem Hauptamtlichem und Kirchenbesucher klar und auch selbst ein Anliegen? Das ist die Frage – und der wohl der Knackpunkt in der praktischen Umsetzung.

 

In diesem Zusammenhang fällt das (vor allem bei Luther sehr häufig gebrauchte) Wort vom »Priestertum aller Gläubigen«. Wohl war. Dies sollte doch noch viel mehr Einzug in kirchlicher Praxis finden. Gabenorientiertes Arbeiten, um nur ein weiteres Stichwort zu nennen, das leider in dem Papier (noch) nicht auftaucht.

 

Im Weiteren (S. 14ff) gehen die Autoren auf die »günstige gesellschaftliche Situation ein«, von »Respiritualisierung als gesellschaftlicher Megatrend« (S. 14) ist die Rede, ebenso wird aber auch hinterfragt, und wie ich finde zurecht, ob diese »Wiederkehr der Religion« (S. 14) wirklich dazu dient, dass Menschen sich für das Evangelium öffnen. Für diesen Einwand bin ich sehr dankbar, denn was bringt eine noch so fromm erscheinende Wiederkehr der Religion, wenn Menschen sich nicht für die frohe Botschaft von Jesus Christus interessieren?

 

Doch in der Tat: Menschen interessieren sich für religiöse Themen, auch für speziell christliche und für kirchliche Themen. Insofern stimme ich zu, dass die Situation sehr günstig ist. Doch fehlt mir noch ein geschliffenes Profil, so dass die Menschen auch wissen, worauf sie sich einlassen.

 

In diesem Zusammenhang fällt mir der Kirchentagssong (www.kirchentag.de/index.php?id=1217) »Lebendig und kräftig und schärfer« der Kölner Gruppe »Wise Guys« ein. Der Song ist so dermaßen ohne Aussage, dass es mir schon die Stirnrunzeln ins Gesicht treibt. Wenn ich dann auch noch lese, dass die Verantwortlichen des Kirchentags sehr zufrieden sind mit dem Song, muss ich mich schon fragen: Nutzen wir die günstige gesellschaftliche Situation auch? Oder lassen wir sie an uns vorüber ziehen und sagen den Menschen nicht, wonach sie suchen? Schade wäre es.

2 Responses to “ Kirche mit Zukunft!? (2) ”

  1. [...] |5| Dave weist auf die Plattheit des neuen Kirchentagssongs der Wise Guys hin. Ich mag die Gruppe, der Song ist ziemlich eingängig, aber inhaltlich ist das wirklich unterste Kanone. [...]

  2. Schließe mich Vries-Land an!

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