Herr Ratzinger, da liegen Sie falsch.
Papst Benedikt XVI. reist derzeit durch die Türkei. Es sei ihm gegönnt. Natürlich muss er in diesem Zusammenhang die Beziehung zwischen Muslimen und Christen ansprechen. Keine Frage. Das ist auch gut so. Wenn er es doch richtig machen würde…
»Herr Ratzinger, da liegen Sie falsch« würde ich ihm am liebsten sagen, wenn ich ihn sehen würde. Warum? Zu Beginn seiner Reise betonte er, dass »Christen und Muslime an den einen Gott glauben«. Ich habe keine Ahnung, wie er auf diese Idee kommt. Wer hat das denn behauptet? Weder im Koran noch in der Bibel (logischerweise) ist davon die Rede. Und sieht man sich nur mal an, wie beide Religionen zu »Jesus Christus« stehen, türmt sich in meinem Kopf ein ganz großes »Hääää?????« auf.
A glaubt, dass JC Sohn Gottes ist.
B glaubt nicht, dass JC Sohn Gottes ist.
A und B glauben an den gleichen Gott.
Also ganz ehrlich. Da legen die modernen Theologen soooooo viel Wert auf die ratio, den menschlichen Verstand und dann schafft man es nicht, aus zwei winzig kleinen (Un-)Gleichungen den richtigen Schluss zu ziehen? Das ist schon komisch.
Ich würde direkt am Gottesbild ansetzen: Der biblische Gott ist trinitarisch. Das ist nicht eine additive Eigenschaft, das ist sein Wesen. Wie schon Schwöbel sagte: “Gott ist nicht Gott, um nebenbei noch ein bisschen trinitarisch zu sein.”
Der Gott der Christen ist also trinitarisch,
der Gott des Islams ist es nicht.
Aber ein Schlaumeier könnte nun ja auf die Idee kommen, man könnte ja parallel jeder seinen Gott anbeten. Was hältst Du davon?
Diesem Schlaumeier würde ich sagen: »Klar kann jeder seinen Gott anbeten. Aber der gleiche Gott ist es eben noch lange nicht. Das entscheidet sich an der Frage, wer Jesus Christus ist. Wir Christen sagen, es ist Gottes Sohn. Muslime sagen, es ist ein Prophet, aber keinesfalls Gottes Sohn. Da Jesus aber für Christen Gott ist, kann der Moslem und der Christ nicht zum gleichen Gott beten.«
Also, es gibt noch ein innerchristliches Argument. Wäre der stellvertretende Tod Jesus für uns denn notwenig gewesen, wenn ich mich ihm auch andere Weise, quasi durch gute, religiöse Werke hätte nähern können?
Wäre Gott nicht sadistisch oder trinitarisch gedacht masochistisch, wenn er sich in Jesus am Kreuz quält, damit der Weg zu Gott frei wird, weil er sieht, wie der Mensch sich vergeblich abstrampelt, um zu ihm zu gelangen, obwohl es doch Wege gibt, auf denen es mit dem Abstrampeln funktioniert!
Wieso also musste Jesus sterben, wenn der Mensch sich doch den Himmel verdienen kann?
Es wäre ein sehr eigenartiger Gott!
hey thilo,
du hast recht: die stellvertretung jesu christi ist das ein und alles. aber das leugnen ja schon so viele, dass es kaum als diskussionsgrundlage dienen kann. leider. dabei ist es das zentrum unseres glaubens.
schön, dich hier zu sehen
Stimmt! Aber wie gesagt, es ist ein Argument, das Christen, die das NT in ihren Aussagen zu Jesu Tod ernst nehmen, bestärken kann. Dass Jesus Gottes Sohn und dass das mehr als ein Messiastitel ist, leugnen mindestens ebenso viele wie den Sühnetod Jesu, oder?
Lieber Gruß! Lass uns mal ein bisschen länger telefonieren. Würd mich freuen!