Goodbye Menschenwürde.
11. 4. 2008 | von: David Brunner
Es ist zum Schreien. Eben hat sich der Bundestag entschieden: “Die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen in Deutschland wird erleichtert. Dies beschloss der Bundestag. In namentlicher Abstimmung votierten 346 Abgeordnete für eine einmalige Verschiebung des Stichtags für zur Forschung freigegebene Stammzellen auf den 1. Mai 2007. Dagegen stimmten 228 Parlamentarier, sechs enthielten sich.” (Quelle: tagesschau.de)
Ich habe die Debatte im Bundestag für ein paar Minuten live verfolgt. Die schwachsinnigste und gefährlichste Aussage fand ich dabei noch folgende: “Ich bin der Ansicht, dass menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle entsteht. Ab wann ist menschliches Leben Träger der Menschenwürde? Diese Frage ist in Deutschland noch nicht ausreichend diskutiert und auch nicht leicht zu beantworten.” (Rene Röspel, SPD)
Dass so jemand im Bundestag sitzt, ist eigentlich eine Frechheit. Weiß Herr Röspel, was er da sagt? Wenn die Menschenwürde nicht an den Moment der Entstehung menschlichen Lebens gekoppelt ist, sondern wenn Menschenwürde unabhängig von dem “biologischen Menschen” betrachtet werden kann, sind den interessensgeleiteten und willkürlichen Definitionen von Menschenwürde Tür und Tor geöffnet.
Dann heißt es “Willkommen im Menschenpark” und endlich kommen die Spinner zu ihrem Recht, die sagen, dass Menschenleben erst dann Menschenwürde “besitzt”, wenn es der Vernunft unterliegt. Auf wiedersehen an alle Neugeborenen, Behinderten und Altersdementen.
Dass bisher noch keinerlei nennenswerter Heilungserfolg mit embryonalen Stammzellen zustande kam und man sogar davon ausgehen kann, dass die meisten spezifischen aus embryonalen Stammzellen gewonnenen Zellen vom Körper abgestoßen werden, weil sie als Fremdkörper empfunden werden, scheint die Politiker nicht zu interessieren.
Auch scheint sie nicht zu interessieren, dass die Forschung mit adulten Stammzellen weitaus mehr Sinn macht, da auch von diesen ausgehend spezifische Zellen gebildet werden können, die jedoch nicht zwangsläufig vom Körper als Fremdkörper abgestoßen werden.
Meine Vermutung ist, dass man dem Machbarkeitswahn und der Forschungsgeilheit unterlegen ist und sich einredet, man könne in der internationalen Forschung ins Hintertreffen geraten, weil wir noch nicht so liberal sind, wie andere Länder.
Dass dabei Menschenleben auf der Strecke bleiben ist den 346 Abgeordneten, die für eine Verschiebung stimmten, offenbar egal. Ich finde es erschreckend und beunruhigend zugleich, dass unser Land mehr oder minder von diesen Menschen mitregiert wird.
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Kommentar von Senfkorn am 11. April 2008
Laut Talmud beginnt das Leben wohl erst am 40. Tag der Schwangerschaft, was der Grund für die liberale Haltung Israels ist.
Weißt du, warum das im Christentum anders ist als im Judentum? Wie kommen die Juden/der Talmud auf 40 Tage? Denn als Grundlage haben ja beide das AT, und im NT steht soweit ich weiß nichts zu dem Thema.
Würde mich mal interessieren.
Kommentar von David Brunner am 12. April 2008
Also ich habe grad mal ein wenig recherchiert und nicht wirklich viel gefunden. Lediglich, dass die Eizelle bis zum 40. Schwangerschaftstag als “wasserähnlich” angesehen wird, weil noch keine wirkliche Ausbildung zu erkennen ist.
Das Christentum ist deswegen anderer Meinung als das Judentum, da für Christen der Talmud keine Lehrautorität hat ;-) Und nur dort ist ja von den 40 Tagen die Rede….wobei auch auf christliche Seite bis ins Mittelalter von den ein oder anderen Theologen dieser Gedanke übernommen wurde. Und da auch noch ma differenziert: wenn es ein Junge wird, wurde der Embryo nach 40 Tagen “beseelt”, wenn es ein Mädchen wurde nach 80 bzw. 90 Tagen. Lauter Chauvis im Mittelalter ;-)
Kommentar von Josef Bordat am 12. April 2008
Hallo David!
Grundsätzliche Zustimmung - mich erschreckt das Ergebnis auch.
Ich hatte mich bei meiner Abgeordneten, Frau Rawert (SPD), mit einer Mail für das Verbot von ESZ-Forschung eingesetzt
http://52570.rapidforum.com/to.....;startid=2
(nach unten skrollen; bisher keine Antwort),
habe auf meinem eigenen Blog die Stammzelldebatte thematisiert
http://jobo72.wordpress.com/20.....ntergrund/
und die aktuelle urbi@orbi-spezial der KSG Berlin zum Thema embryonale Stammzellforschung herausgegeben:
http://www.ksg-berlin.de/
(unter Menüpunkt “Links” ganz unten)
Naja, wenigstens habe ich viel gelernt.
Herzliche ökumenische Grüße,
Ihr
Josef Bordat
Kommentar von johannes drechsler am 13. April 2008
Hi David!
Ich finde so oder so die Entwicklung unserer Politik sehr bedenklich. Sie meint mit Kindertagesstätte besser die Kinder erziehen zu können als die Eltern. Kosten - Nutzen-Faktor spielt immer eine größerer Rolle. Die Debatte hat mich sehr nachdenklich gemacht und momentan ist keine unserer Parteien wählbar, sie sind alle korrupt bis auf die Knochen. Ich werde einfach mehr für die Politiker beten.
LG
Johannes Drechsler
Kommentar von Altfried am 15. April 2008
Hallo David,
ich möchte Dir und den anderen Kommentatoren als katholischer Bruder gern beipflichten: Auch ich bin sehr von unserem Parlament und insbesondere von prominenten CDU-Parteigrößen sehr enttäuscht. Fast noch mehr frustriert es mich, dass ausser einer Vollzugsmeldung am Samstag unsere Medien dieses Thema trotz seiner Dimension totschweigen und sich die politischen Kommentare nurmehr um das Dekolleté unserer Bundeskanzlerin sorgen.
Ich habe versucht, meine Gemeinde am vergangenen Wochenende etwas zu sensibilisieren. Wenn Ihr mögt, schaut Euch meine Predigt hierzu an, mit der ich in meiner kleinen Gemeinde doch etliche nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Handeln anregen konnte. Einzelpersonen wenden sich jetzt per Mail und Brief an die von ihnen gewählten Abgeordneten sowie an die Bundeskanzlerin und die Forschungsministerin. Andere sammeln auf Listen Unterschriften, mit denen sie - an die CDU-Vorsitzende gerichtet - der “christlichen” Partei das Mißtrauen für die beschämende Lebensschutzpolitik aussprechen und eine Rückkehr zur christlichen Ethik und zu den Grundwerten der Art. 1 und 2 GG anmahnen, um überhaupt noch wählbar zu bleiben. Leider hat ja Landesbischof Huber auch nicht unbedingt dazu beigetragen, eine klare und gemeinsame Linie der christlichen Konfessionen aufzubauen …
Lieber Johannes, ich unterstütze Dich gern in Deinem Gebet - unterstütze Du uns bitte auch durch Stellungnahme gegenüber den Abgeordneten.
Die erwähnte Ansprache findet Ihr als PDF unter
http://www.stiftskirche-cappenberg.de
Auf Wunsch kann ich auch einen Vordruck für eine Unterschriftenliste an Eure Email-Adresse senden. Ihr erreicht mich über die Website oder über
altfried (at) web.de
LG
Altfried Kutsch OPraem, Pfr.