Gelesen: »…wir predigen nicht uns selbst«
Herbst, Michael / Schneider, Matthias: …wir predigen nicht uns selbst. Ein Arbeitsbuch für Predigt und Gottesdienst.
Wo bekomme ich Hilfen, den Gottesdienst als ganzheitliches Geschehen zu betrachten, in dem Liturgie, Musik und Predigt an einem Strang ziehen? Wie schaffe ich es, eine Predigt als Anrede zu konzipieren, ohne einerseits dem theologischen Anspruch, andererseits menschlicher Redseligkeit zu erliegen? Wie verhalte ich mich liturgisch angemessen, so dass ich weder klerikal daherkomme, noch wie der letzte Hinterwäldler mich als Liturg im Gottesdienst verhalte? Wie kann ich einen Gottesdienst nicht »halten«, sondern feiern? Wie bereite ich mich angemessen in der Woche selbst und am Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst vor?
Das sind nur ein paar wenige Fragen, denen ich mich immer wieder gegenüber sehe, als Frischling im Amt. Sicherlich sind die Kurse im Predigerseminar nicht schlecht und auch vor Ort in der Gemeinde werde ich wirklich hervorragend betreut. Deswegen sehe ich dieses Buch als eine wertvolle, aber inzwischen unverzichtbare Ergänzung.
»…wir predigen nicht uns selbst« ist im besten Sinne ein Arbeitsbuch, das weder liturgisch noch homiletisch eine komplette Entfaltung der jeweiligen Themen bietet, aber ganz konkrete Hinweise und Arbeitsschritte, wie man einen Gottesdienst ganzheitlich feiern kann.
Auch die Blickrichtung stimmt meines Erachtens: Bevor es an das Handwerkszeug geht, wird erst einmal das Thema »vollmächtig predigen« traktiert. Sehr gut.
Nach dieser theologischen Grundlegung kommt das Herzstück dieses Arbeitsbuches: die Predigtwoche. Meines Erachtens das beste Predigtwochenmodell, das ich bisher kennen gelernt habe, weil es eben die Ganzheitlichkeit eines Gottesdienstes im Blick hat.
Erstes Kapitel: Die Einordnung ins Kirchenjahr.
Zweites Kapitel: Die persönliche Betrachtung.
Drittes Kapitel: Die Exegese.
Viertes Kapitel: Die Homiletische Besinnung.
Fünftes Kapitel: Die rhetorische Gestaltung.
Sechstes Kapitel: Die liturgische Gestaltung.
Siebtes Kapitel: Die Feier des Gottesdienstes.
Achtes Kapitel: Das Gottesdienstnachgespräch.
Dazu gibt es eine »Gottesdienst-Checkliste« - auf dass auch wirklich nichts vergessen wird für den Gottesdienst, sowie eine »Beispiel-Liturgie«, wie sich der Liturg (Pfarrer) an welcher Stelle des Gottesdienstes verhält. Dazu jede Menge kirchenmusikalischen Background.
Wie schon erwähnt: das Buch ersetzt keine Homiletik und auch keine Liturgik-Lektüre. Es bietet aber jede Menge Tipps und Anreize für die konkrete Umsetzung dessen, was man liest.
Erschienen ist das Buch im Neukirchener Verlag (2. Auflage 2002) , umfasst 222 Seiten und kostet 19,90 Euro. ISBN: 3788718765.
Die Autoren:
Michael Herbst ist seit 1996 Professor für Praktische Theologie in Greifswald, promovierte mit einer Arbeit über »Missionarischen Gemeindeaufbau in der Volkskirche«, war von 2003-2006 Dekan der Universität Greifswald und ist gemeinsam mit Prof. Dr. Jörg Ohlemacher Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung.
Matthias Schneider ist Professor für Kirchenmusik (mit Schwerpunkt Künstlerisches Orgelspiel und Improvisation) an der Universität Greifswald. Schneider ist Leiter der »Greifswalder Sommerakademie Orgel«, die er 1996 ins Leben rief, und in gleicher Weise als Interpret und Musikwissenschaftler gefragt.
Ich finde das Buch klasse - und verwende es inzwischen bei jeder Predigt. Bin nur noch nicht ganz sicher, ob später wirklich noch Zeit für alle Arbeitsschritte bleibt. Habe deswegen ein eigenes Raster entworfen, in dem einzelne Punkte etwas knapper vorkommen…
Das Buch klingt super. Hatte ich voher noch nichts von gehört. Obwohl ich Herrn Herbst samt seinen Veröffentlichungen immer verfolge.
Danke für den Tipp!
@ Daniel: Könntest du mal dein Raster zur Verfügung stellen? Oder ist die Frage zu dreist… :hmm1_ee:
@Daniel: ich hätte da auch Interesse. :wink_ee: Habe selbst das Ganze ein wenig vereinfachter gemacht und vielleicht ergänzt sich das ja ganz gut.