Gelesen: Wie die Kirche wachsen kann und was sie davon abhält (Peter Böhlemann)
[singlepic=181,320,240,web20,left]“Peter Böhlemann lässt in seinem Buch keinen Zweifel daran, dass Kirche wachsen kann und soll. Auf dem Hintergrund inspirierender Gemeindepflanzungen und Mut machender Erfahrungen aus der anglikanischen Kirche, der es materiell viel schlechter geht als den meisten deutschen Kirchen, formuliert der Autor zwölf Prinzipien, die kennzeichnend für wachsende Gemeinden sind. Schwachpunkte und Faktoren, die Weiterentwicklung verhindern, werden auch benannt, aber konstruktiv als Nutzen der Chancen bewertet, die selbst negative Situationen in sich tragen können. Die Lektüre des Buches macht Mut zur Veränderung in der Kirche.” So der Einbandtext des Buches. Und in der Tat: die Lektüre dieses Buches macht Spaß. Warum? Weil sie herausfordert. Manches drückt Böhlemann so deutlich und akzentuiert aus, dass man fast schon in Deckung gehen will, weil gleich imaginär zurückgeschossen wird.
Was mir besonders gefällt an diesem Buch, ist die Implementierung der Erfahrungen aus der anglikanischen Kirche in die deutsche Kirchenlandschaft: kein neidisches Schielen auf das, was die Menschen auf der Insel schon geschafft haben, aber ein klares Bekenntnis, dass sie in vielen Dingen uns weit voraus sind.
Darüber hinaus sind es die biblisch fundierten und praktisch visionären Ratschläge und Gedankengänge, die Böhlemann parat hält, die das Buch interessant und vor allen Dingen in der Praxis anwendbar machen.
Mitunter könnte man meinen, Böhlemann zeichnet hier und da ein utopisches Bild von Kirche. Doch da er nicht nur Pfarrer, sondern Dozent am Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche in Westfalen ist, kennt er die binnenkichliche Lage wohl besser als viele andere und so zeichnet er eben gerade nicht ein utopisches, sondern ein visionäres Bild von Kirche, dem es zu folgen gilt und dem es Vertrauen zu schenken gilt, denn “wer keine Visionen hat und sie auch nicht bei anderen wachrufen und mitteilen kann, sollte nicht leiten - keine Gemeinde, keine Kirche, keine Kleingruppe.” (S. 17)
Besonders ansprechend und meines Erachtens für die notwendige Veränderung der Kirche grundlegend sind Böhlemanns Ausführungen über die “Kultur des Evangeliums” (S. 47ff), die er auch schon im 5. Kapitel des Buches “Spirituelles Gemeindemanagement” ( ISBN 978-3-525-62369-5 ) entfaltete: “Um sein Ziel, Menschen für die Herrschaft Gottes zu befreien, zu erreichen, predigt Jesus und heilt Menschen, schließlich stirbt er auch für dieses Ziel. Deshalb gehören Verkündigung und Diakonie als Wesenselement zur christlichen Gemeinde. Doch Jesus hat nicht nur gepredigt und geheilt. Ein Drittes kommt hinzu. Er hat mit den Menschen gegessen und gefeiert, er hat sie gesucht und besucht, das heißt, er hat auch am Klima und an der Atmosphäre gearbeitet, beziehungsweise eine bestimmte Kultur geschaffen, um seiner Vision und seinem Ziel entsprechend zu leben.” (S. 47)
Allen, die daran interessiert sind, in unserer Postmoderne daran mitzuarbeiten, dass Gemeinde wächst, sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt.
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht, 139 Seiten mit 2 Abb. und zahlr. Grafiken und Tab., kartoniert, 2006
ISBN: 978-3-525-60424-3
Preis: 14,90 Euro
Diese Rezension ist auch auf SOUND7.DE erschienen.
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