Gelesen: Position beziehen. Das Ende der Beliebigkeit (Wolfgang Huber)
23. 5. 2008 | von: David Brunner
“Was würde Jesus dazu sagen?” Unter dieser Leitfrage, die Huber in Anlehnung an Martin Niemöller seinem Buch zugrundelegt, findet sich in “Position beziehen. Das Ende der Beliebigkeit” ein Sammelsurium von Kommentaren des Bischofs zu religiösen, politischen und gesellschaftlichen Themen.
Ob die Weihe der Dresdner Frauenkirche, ein Kommentar zum Koma-Saufen oder nostalgisch anklingende Erinnerungen an die Fußball-WM 2006 im eigenen Land: Huber hat zu allem etwas zu sagen. Mal mahnend, mal freudig, hin und wieder sehr deutlich im Ton, dann wieder leise und demütig.
Die knapp 50 Kommentare, Anekdoten und Aufrufe sind in sechs Themenbereiche gegliedert: Zuhause ist mehr, Die Welt verändern, Weichen stellen, Die Geschichte lebt, Gesichter unserer Welt und Glaubenswelten.
Wirklich gelungen finde ich die abwechslungsreichen und lebensnahen Beispiele. Es sind eben nicht nur die großen Namen, die Huber für sein Buch vereinnahmt, sondern der Nachbarjunge von nebenan mit seinen Lernschwierigkeiten, ein junges Hochzeitspaar, das per Anhalter zur eigenen Hochzeit fuhr oder der 17jährige Amjao Vahedi, der für seine Leistungen in der Schule eine Auszeichnung erhielt – was wenige Jahre zuvor kein Mensch für möglich gehalten hätte.
Aber auch die großen Namen wie Paul Gerhardt, Dietrich Bonhoeffer und Bundespräsident Köhler dienen Huber dazu, Position zu beziehen und die Errungenschaften dieser Menschen für den Glauben und das gesellschaftliche Leben zu verdeutlichen.
Was mich bei vielen Anekdoten wirklich fasziniert ist, wie Huber einzelne Bibelzitate scheinbar nahtlos in seine Kommentare einfügt – und das in Zusammenhängen, bei denen mir sicherlich ein anderes Bibelwort in den Sinn gekommen wäre. Das macht es für mich interessant, über manch biblisches Wort neu nachzudenken und mich zu fragen, ob ich nicht manchmal in der Tat mehr Eisegese als Exegese betreibe.
Doch hin und wieder beschlich mich beim Lesen ein dumpfes Gefühl, das mich an den österreichischen Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick und seinen bekannten Ausspruch „Man kann nicht nicht kommunizieren!“ erinnerte. In Anlehnung an ihn möchte ich meinen Gesamteindruck von Hubers Buch folgendermaßen benennen: „Man kann nicht nicht Position beziehen!“
So pointiert und explizit Huber bei manchen Themen Stellung bezieht, so scheint er sich doch bei anderen Themen elegant aus der Affäre ziehen zu wollen – aber keine Position ist eben auch eine Position. Markantestes Beispiel dafür ist meines Erachtens ein Interview zum Oster-Geschehen im letzten Teil des Buches.
Johannis Verlag, gebunden, 11,4 x 18,5 cm, 144 Seiten
erschienen: September 2007
ISBN: 978-3-501-05183-2
Preis: EUR 9.95
Diese Rezension ist auch in der aktuellen Ausgabe (Nr. 46) des ICHTHYS erschienen.
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