Gelesen: Deutschlands sexuelle Tragödie. (Siggelkow/Büscher)
[singlepic=234,320,240,web20,left]Irgendwie weiß ich nicht so recht, was ich von diesem Buch halten soll. Sicher: die Erlebnisse, die darin geschildert werden, sind erschreckend. Ein 15jähriger, der mehr sexuelle Erfahrung hat als manch anderer sein Leben lang nie haben wird. Ein Geschwisterpaar im Kindesalter, das der Mutter immer mal wieder beim Sex mit den wechselnden Partnern zuschaut. Eine junge Mutter, die auch mal gerne nen 4er mit ihrer Tochter und zwei Partnern macht.
Solche Geschichten gibt es der Reihe nach in dem Buch “Deutschlands sexuelle Tragödie” zu lesen. Erschreckend, was hier zutage kommt.
Ich war gespannt auf das Buch; habe viel davon gehört, sogar auf BILD.DE war etwas davon zu lesen - und frage mich jetzt aber ernsthaft, was das Buch bringt. Sicher, es führt vor Augen, wie krass es teilweise um unsere Gesellschaft bestellt ist. Dabei ist aber anzumerken, dass die Herausgeber des Buches die Gründer/Leiter des sozialdiakonischen Projekts “Die Arche” in Berlin sind. Quasi die Speerspitze deutscher Jugendkultur, davon die Jugendlichen und Teens genommen, die unter sozial schwierigsten Verhältnissen leben. Ob das repräsentativ ist? Ich weiß es nicht.
Ganz sicher öffnet das Buch aber die Augen, was wirklich alles geschehen kann und tagtäglich geshieht. Und das ist erschreckend.
Wer das Buch lesen möchte, dem empfehle ich schon mal ein gutes Nervenkostüm. Die einzelnen Geschichten tragen als Überschrift lediglich die Namen der Protagonisten (also der Kinder/Teens/Jugendlichen) und sind so 3-4 Seiten lang. Schnell durchgelesen. Schnell geschockt.
Die Frage bleibt für mich aber: was kann ich bei dem ganzen Dilemma tun? Wie kann ich Vorbild sein und Wege aus dieser Misere aufzeigen? Im Prinzip die ähnliche Reaktion und Fragen stellt sich auch Christine Hutter, die das Buch für SOUND7.DE rezensiert hat.
Wenn jemand Antworten hat, bin ich dankbar.
Verlag: Gerth Medien, Klappenbroschur, 192 Seiten
ISBN: 978-3-86591-346-3
Preis: 14,95 Euro
Interessante Frage: Was es bringt? Das bleibt auf jeden Fall spannend, man kann nur hoffen, dass etwas passiert, und zwar in der Form, dass aufgerüttelt wird. Vielleicht ist das auch die wichtigste Aufgabe in Bezug auf die Christen bzw. Gemeinden. Ich meine, Christen sollten endlich Verantwortung übernehmen und sich in der Gesellschaft positiv einbringen, so wie es die Arche-Leute vormachen.
Ich habe rund um das Buch bisher das Interview mit dem Autor gelesen und den “Vor-Artikel” vom Stern. Das hatte mir vorerst gereicht! Letzte Woche lief noch ein Interview auf dem Deutschlandfunk, welches erstklassig war!!! — Mein Vater hatte das Buch gleich nach Erscheinen erhalten, er war nach dem Lesen auch erschüttert, meine Mutter ebenso. (Ich schrecke bisher noch zurück) Viele Grundtentenzen decken sich jedoch mit dem, was wir etwa in unserem Verein erleben, wo junge Leute betreut werden.
Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich das Buch in die Hand bekam. Nicht weil es mein Geburtstag war, sondern weil ich frühs ein paar Seiten las und dachte: Das kann nicht ganz wahr sein. Das passiert vielleicht in solchen Ballonszentren wo die Arche in Berlin ist. Am Nachmittag war ich dann wieder im KinderReich. Just an diesem Tag erreichte mich ein Anruf einer besorgten Mutter eines Drittklässlers. Sie meinte, ihr Sohn wird von anderen Kindern gehänselt mit den Worten, er würde ein Mädchen aus der Klasse ficken.
Diese “Welt” ist näher als ich bis dahin dachte.
Wenn dieses Buch vielleicht keine direkte Antwort darauf gibt, so weiß ich aus eigender Erfahrung aus dem KinderReich, dass diese Kinder Liebe und Begleitung brauchen. Vielleicht ist es ja mehr Menschen möglich, sich sozialdiakonisch in solchen Werken wie der Arche zu engagieren. Das kostet (s)einen Preis. Aber es macht auch Freude. Und es lohnt sich!