Gedanken zur Liturgie.
Gestern im Gottesdienst war es dann soweit: das erste Mal, dass ich hier in Leutershausen die Liturgie hielt. In den Tagen der Vorbereitung bin ich mehr und mehr zu dem Schluss gekommen, dass der Aufbau der Liturgie gar nicht mal so schlecht ist, wie er oft gemacht wird. Sicher: Es ist immer die Frage, WIE man das Ganze präsentiert, mit welchen Worten man dies füllt und ob man sich selbst zurücknehmen kann und den in den Mittelpunkt stellen kann, um den es geht.
Eine Begrüßung nach der »Musik zum Eingang« ist meines Erachtens auf jeden Fall nötig. Die Agende sieht es eigentlich nicht vor und es gibt auch einige Pfarrer, die an dieser Stelle keine BEgrüßung möchten. Ich finde aber, man sollte mal die liturgischen Vorschriften das sein lassen, was sie sind: Buchstaben auf dem Papier und keine unumstößlichen Gesetze. Schließlich geht es um die Menschen, die den Gottesdienst besuchen - und erst einmal begrüßt zu werden ist eine Frage des Anstands und auch im Gottesdienst nicht fehl am platz.
Auch das Votum macht eines klar: wir feiern den Gottesdienst nicht, weil wir toll sind, fromm sind, nix besseres zu tun haben oder aus irgendeinem anderen Grund, sondern deswegen, weil der dreieinige Gott uns selbst begegnen möchten und wir ihm die Ehre geben.
Mit dem Gruß (»Der Herr sei mit euch…«) tu ich mich schwer. Die wirkliche Bedeutung dahinter kann ich nicht nachvollziehen. Auch vielen Gottesdienstbesuchern ist das fremd. Aber gut: jetzt werde ich erst einmal wieder eine Woche im Petersstift verbringen und lernen, was das soll….
Ganz klasse finde ich das Bußgebet mit anschließendem Gnadenzuspruch und finde es auch an dieser Stelle optimal. Denn: wir sollten uns erst mal wieder bewusst werden, wer wir sind, bevor wir Gottesdienst feiern: »simul iustus et peccator«. Gerechter und Sünder zugleich. In vielen vielen freikirchlichen Gottesdiensten habe ich erlebt, was passiert, wenn das eben fehlt: man erhebt sich - zwar nicht über Gott, aber über sich selbst. Es geht nur darum, einen weiteren »frommen Hype« zu erleben. Gefühlsmäßig - versteht sich (nicht immer, aber immer öfter). Aus diesem Grund ist es unumgänglich erst einmal zu wissen, wer man ist.
Das gesungene »Kyrie eleison« ist in der Sache gut und wichtig - aber in der Gestaltung eben Geschmackssache. Hier könnte man stattdessen auch einfach ein Lied singen, das die Bitte um das Erbarmen Gottes ausdrückt….
Wie gesagt: der anschließende Gnadenzuspruch haut rein. Zugesprochen zu bekommen, dass die Sünden vergeben sind, das hat was. ABER: Ich erinner an dieser Stelle an meinen Beitrag zu Bonhoeffers ersten Worten in seinem Buch »Nachfolge«: »Keine Vergebung ohne Buße und Bekenntnis.« Der Gnadenzuspruch darf nicht zur Schleuderware verkommen. Und das ist eben eine weitere Herausforderung, in Worten den Gottesdienstbesuchern dies deutlich zu machen. Einmal mehr erweist sich meines Erachtens die Agende hier als unzulänglich, da man nicht hinter Worthülsen stehen bleiben darf, sondern der Pfarrer die Dinge beim Namen nennen sollte.
Der anschließende Lobpreis (ausgenommen in der Passionszeit) ist gut und wichtig - aber leider zu kurz
Eine Liedstrophe….Naja. Da dürfte es ruhig ein wenig mehr sein. Aber wie gesagt: Die Intention ist gut und richtig.
Soweit meine ersten Gedanken, die spontan sind und deswegen alles andere als vollständig. Aber ich habe ja jetzt eine Woche Zeit im Petersstift in den Liturgik-Stunden mich damit auseinanderzusetzen…
Hi Dave,
bin ja mal sehr gespannt, wie du mit den klaren Vorstellungen von Frau Groten zu deinen Beobachtungen leben kannst!
“Wir” begrüßen und feiern nicht Gottesdienst, aber die theologische Entscheidung dahinter ist meines Erachtens nicht zu vermitteln! Die Zwischenformen finde ich meistens zu gewollt.
Das mit dem Loblied sehe ich genauso, wurde mir aber im Lehrvikariat wiederholt zum Vorwurf gemacht, da ich gerne 2-3 Strophen singen lasse, v.a. bei kurzen Strophen.
Passionszeit stimmt nicht ganz: auch 2.-4.Advent, wenn mich nicht alles täuscht!
Viel Spaß im Petersstift.
hey wolfi!
jo, 2.-4. advent auch noch.
aber doch: “wir” feiern gottesdienst - der einladende aber ist gott
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