Gedanken aus dem Predigerseminar: Die Taufe (2).

Mich lässt dieses Thema einfach nicht los. Was geschieht in unserer Praxis der Kindertaufe? Ist sie ein rettendes Handeln? Oder ist sie ein segnendes Handeln? Ich verstehe es nicht…Sollte es in der Tat ein rettendes Handeln sein (in Bezugnahme auf bspw. Römer 6,1-10:

1 Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde? 2 Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind? 3 Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? 4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. 5 Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. 6 Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, 9 und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen. 10 Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für alle Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott.

Geht dieser neutestamentlichen Taufpraxis nicht der Glauben voraus? Hierüber wurde schon vieles geschrieben und ich will mich da nicht in die Reihe namhafter Theologen einreihen, die hierzu schon ihre Gedanken ausgebreitet haben (das habe ich in einer Hausarbeit gemacht). Aber mir kam ein Gedanke, der mir vorher noch nicht so stark bewusst war: Angenommen es stimmt. Durch die Taufe wird man gerettet, wird man Christ - und zwar durch die Säuglingstaufe. Dann - so meine Gedanken - stülpe ich dem Kind doch etwas über, mache ihn zu einem Christen - ohne zu wissen, ob das Kind dies möchte. Ebenso: ich lasse dem Kind nicht die Religionsfreiheit und die freie Wahl, woran es glauben möchte, sondern das Kind wird ohne sein Wollen und Wissen zum Christen. Ist das nicht die furchtbarste Art von Mission? Ist nicht gerade das der Vorwurf mancher an missionarisch ausgerichtete Christen, dass diese anderen den Glauben »überstülpen« wollen? Wo wäre dann der Vorzug der Kindertaufe hinsichtlich dieses Nicht-frei-Seins im Bezug auf die persönliche Religionswahl? Nein, so möchte ich mein Christsein und meine Verkündigung nicht verstanden wissen: als ein unausweichliches Urteil, das über dem Leben dieses Menschen steht, ohne dass dieser auch nur ansatzweise sich dafür entschieden haben kann.

Nun nehmen wir einmal an, durch die Säuglingstaufe wird der Mensch nicht Christ - was geschieht dann in der Taufe? Nimmt Gott in der Taufe das Kind an? Hat er dies nicht schon im Moment seiner Zeugung getan? Denn es wäre ja geradezu schrecklich (nicht zuletzt aus seelsorgerlicher Sicht), wenn ungetaufte Kinder, die sterben, nicht von Gott angenommen wären.

Gehen wir einen Schritt weiter - der Säugling wird nicht Christ, er wird auch nicht erst in der Taufe von Gott angenommen, sondern…….Ja und hier ist nun die entscheidende Frage: Was dann? Ist es also doch »nur« eine segnende Handlung, die geschieht? Ganz klar: es ist wunderbar, über dem Leben des kleinen Menschen den Segen Gottes und die grenzenlose Vaterliebe unseres himmlischen Vaters über dem Kind auszusprechen und vor der unsichtbaren und sichtbaren Welt das Zeichen des Kreuzes auf die Stirn zu zeichnen. Aber die Frage bleibt: was geschieht in diesem Moment der Taufe (außer der nun zustandegekommenen Mitgliedschaft in der Landeskirche) denn nun, wenn der Säugling dadurch nicht Christ wird, nicht das ewige Leben bekommt, nicht gerettet ist und auch nicht erst jetzt der lebendige Gott dieses Kind schon angenommen hat?

Es beschäftigt mich wirklich sehr und nicht zuletzt glaube ich, dass wir die Sprachfähigkeit, unserem Glauben Ausdruck zu verleihen in Wort und Zeichenhandlung, ganz neu (wieder-)finden und erlernen müssen.

Vielleicht hast Du, der Du diesen Beitrag bis hierhin gelesen hast, Antworten auf diese Fragen oder Ansätze zu Antworten, oder Anregungen. Dann mach von der Kommentarfunktion rege Gebrauch.

38 Responses to “ Gedanken aus dem Predigerseminar: Die Taufe (2). ”

  1. Tja, genau das war für mich der Grund, vom Katholiken zum FeG-ler zu konvertieren - Taufe ist nicht entscheidend (wenn auch wichtig), Glaube ist entscheidend. Wenn ich aber dieses Kriterium ansetze, stoße ich auf genau diese logischen Schlussfolgerungen wie du. Das Segnungshandeln setzt immer auch die Antwort auf den Segen voraus - deswegen wir hier das Baby für sein späteres Handeln nicht aus der Verantwortung genommen, aber Gottes Liebe und Gegenwart wird über diesem Leben ausgesprochen und eine reale Kraftübertragung findet statt, wenn auch für uns ein Rätsel (deshalb die Warnung des Paulus vor dem Auflegen der Hände). Die Antwort muss das Kind jedoch später selbst geben. Segnen und lobpreisen ist ja im Hebräischen nicht umsonst die gleiche Vokabel und so kann man den Segen auch dialogisch deuten: Gott handelt, Mensch reagiert und lebt den Segen aus.

    Wenn ich heute vor Kindersegnungen bei uns in der Gemeinde die Paten oder Angehörigen frage, was sie denn von einer Säuglingstaufe erwarten würden, dann antworten sie genau das: Gottes Segen, seine Liebe im Leben etc. - und darauf antworte ich dann: genau das macht der Segen, die Taufe ist mehr - sie ist ein Begegnungsgeschehen. Nur so kann ich sie letztlich verstehen…

  2. Danke für die guten Argumente. Mir war nicht bewusst, dass man Taufe auch so hinterfragen kann, wie andere die Mission. Hähä.

    M.E. ist in Röm 6 Taufe gar nicht das eigentliche Thema. Vielmehr wird sie als Illustration gebraucht. Hier wird die Praxis der Gläubigentaufe jedoch vorausgesetzt. Sonst ist es ein unsinniges Beispiel.

    Ich möchte dagegen votieren, dass die Taufe ein Segen ist. Denn einem im Gottesdienst gesegneten Kind fehlt dann ja nix mehr. Außerdem können wir segnen auch ohne Wasser.

    Die Frage bleibt: was ist die Taufe dann? Ist sie “nur” ein sinnliches Zeichen dessen, was innerlich geschehen soll, nämlich Wiedergeburt.
    Laut Bekenntnisschriften ist Taufe eine Form der Evangeliumsverkündigung. Im Falle der Säuglingstaufe wird jedoch wohl eher den anderen damit “gepredigt”. Ist das legitim?

  3. @Wegbegleiter: kannst du “die Taufe ist Begegnungsgeschehen” ein wenig ausführlicher schildern? würde mich interessieren, wie du das meinst.

    @Achti: die Frage nach der Legitimität ist für mich nur dann ausschlaggebend, wenn das die einzige Wirkungsweise der Taufe wäre, denn dann würde ich die Taufe (und den Täufling) instrumentalisieren zur Evangeliumsverkündigung. Aber was wäre denn dann eine (oder mehrere) andere Wirkungsweise?

  4. Begegnungsgeschehen ist das Stichwort, dass mir vom Theologischen Seminar (Ewersbach) hängen geblieben ist - dahinter steckt ein sakramenten-theologischer Ansatz wie er z.B. von Schillebeeckx vertreten wird. Im sakramentalen Handeln zeigt sich körperlich ausgedrückt (eben in Materien wie Brot, Wasser, Wein) die Fürsorge, Gnade und Liebe Gottes, die aber auf den Glaubenseinsatz des Empfängers treffen muss, denn ohne den bliebe das Sakrament ein leerer Ritus (eben vom Gottesbild her: Gott stülpt niemandem etwas über! Das ist meines Erachtens ein Grundaxiom!). So wie nun Gott seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, was eine Aktion Gottes und eine Beteiligung des Sohnes beinhaltet, denn dieser ist nicht Objekt, sondern wird sofort wieder zum handelnden Subjekt (und die Auferweckung beruht auf der Hingabe des Subjekts zu Lebzeiten!) - so findet dieses ja auch nach Paulus körperlich erfahrbar in der Taufe statt: sterben - begrabenwerden - auferstehen. Und Gott begegnet mir in diesem Geschehen. Ich willige in diesen Prozess ein, glaube an das, was geschehen wird, ich antworte auf Gottes Ruf in die Taufe und folge dem Vorbild Jesu. Gott ruft, ich antworte und in der Taufe begegnen wir einander auf einmalige Weise. Nur so kann ich Taufe - nach meinem jetzigen Erkenntnisstand - verstehen und mit dem biblischen Gottesbild übereinbringen.

  5. Hallo! Danke für den interessanten Beitrag. In der Autobiographie des bekannten Pfarrers und Evangelisten Theo Lehmann (”Freiheit wird dann sein”) bin ich auf die Aussage gestoßen, daß Säuglingstaufe Evangelisation und Mission seitens der Kirche nach sich ziehen sollte/ muß. Nur das sieht er als konsequent an, weil er auch die Taufe als dem Glauben nachfolgend versteht. — Diesen Ansatz begrüße ich sehr und respektiere das voll, obwohl ich ansonsten Anhänger der Glaubenstaufe bzw. “Erwachsenentaufe” bin (als Freikirchler vermutlich nicht verwunderlich… :). — Ich hätte Probleme damit eine Taufe als reine Segenshandlung zu sehen, ist es nicht vielmehr eine Symbolhandlung, der eine bewußte Entscheidung vorausgeht? Symbolisch geschieht dabei mehreres, aber u.a. eben diese Art der “Kontoüberschreibung” (auf das des Herrn Jesus). — Und ja, die Taufe ist nicht heilsentscheidend (!), aber wichtig - wobei das “wichtig” oft ganz schön hin- und hergezerrt wird :-)

    Viele Grüße, DavidD :)

  6. @Wegbegleiter: Danke, so sehe ich es eben auch.

    @DavidD: Wie kann Lehmann die Säuglingstaufe dem Glauben nachfolgend sehen, geht sie dem Glauben doch offensichtlich voraus!? Und ja: die Taufe wird hin und hergezerrt, manchmal so, als ob wir nicht Christus, sondern die (eine) Taufe verkündigen sollten.

  7. @DavidB:
    Das ist ja genau der springende Punkt, daß das bei der Säuglingstaufe nicht geht — daher konsequenterweise die Forderung nach Evangelisation — und dann ist auch die Konfirmation konsequent und richtig. Er gesteht aber ein, mit dieser Sicht in der Minderheit seiner eigenen Kirche zu sein. Dennoch tritt er für diese Sicht ein. Und ihm bereitet es keine Probleme etwa mit Baptisten (wie sein Kollege und Liedermacher Jörg Swoboda) Jahrzehntelang gemeinsam zu evangelisieren. Er beschreibt das in dem Buch auch als segensreich, daß man sich gegenseitig eine unterschiedliche Sicht der Taufe zugesteht, aber sie kein Hindernis darstellt, gemeinsam den Glauben zu leben und zu verbreiten. Das finde ich vorbildlich und das hat mich sehr berührt!

  8. @DavidD: trotzdem muss man einfach die dogmatische Inkonsequenz in der ganzen Sache sehen - die Konfirmation ist eine ja eine Bestätigung dessen, was bereits geschehen ist, d.h., der Mensch stellt sich nachträglich zu Gottes Handeln. Also hat es da ein vorauseilendes Handeln gegeben! Das kann ich eben nicht so erkennen (wenn wir denn die Säuglingstaufe nicht als Segnungshandlung sehen wollen und das wäre in der Tat nicht angemessen).

    Dazu ist ja die Konfirmation im Wesentlichen eine historische Reaktion auf den erstarkenden Pietismus a la Spener, sprich: hier ist einfach nachgebessert worden nach er Masche: achja, der pers. Glaube wird jetzt betont, bevor die Leutchen jetzt ins Grübeln kommen, flanschen wir die Konfirmation hinter die Taufe (flapsig gesagt). Nachbessern ist aber dogmatisch manchmal nicht das Beste…

  9. @Wegbegleiter:
    Wenn “nachbessern” nicht das Beste ist:
    Was Du uns säuglingstaufenden Kirchen also (aus Deiner Sicht) folgerichtig empfehlen? Vielleicht erstmal mir persönlich hinsichtlich meiner eigenen Säuglingstaufe, und dann hinsichtlich der Taufe meiner Kinder (die es noch nicht gibt).

  10. FeG haben die (vielleicht dogmatisch wabbelige, aber sehr barmherzige) Lösung, dass Menschen Teil einer FeG werden können, ohne sich glaubend taufen zu lassen, sondern in nachträglicher Anerkennung ihrer Säuglingstaufe leben. Und das ist gut so. Ich bin mit 33 noch glaubend getauft worden, meine Frau nie und wir leben prächtig damit. Die Taufe ist wichtig, aber doch nicht so entscheidend. Hier herrscht die Freiheit des Gewissens (Grafe). Sagt dein Gewissen nach gründlicher Prüfung, dass alles bestens ist mit deiner Säuglingstaufe, dann ist es doch gut. Der Glaube ist entscheidend.
    Mal so persönlich gesagt: die evangelischen Kirchen erlauben ja nun die Glaubendentaufe explizit, sie ist ja zuletzt wieder gestärkt worden, aber de facto haben es Amtsträger sehr schwer, ihre Kinder nicht taufen, sondern “nur” segnen zu lassen. In der rheinischen Kirche hat das meines Erachtens nur Wolfgang Vorländer geschafft, der hat sich dann aber anderweitig unbeliebt gemacht und man ist ihn los geworden (meine böse Deutung). Mein lieber Seelsorgedozent in Ewersbach, Ernst Kirchhoff, ist genau daran zerbrochen - er wollte als evangelischer Pfarrer seine Kinder nicht taufen lassen, wurde aber dazu geradezu genötigt. Nun ist er fröhlich in der FeG. Mir geht es hier nicht um dogmatische Kirchenklatsche - dazu habe ich zu viel Respekt vor vielen Leutchen vom Bodenpersonal - aber ich stimme mit nicht wenigen auch innerkirchlichen Kritikern überein, wenn ich sage, dass sich die Taufpraxis ändern muss, wenn sich die Grundproblematik der ev. Kirche ändern will.

    Und noch was Amüsantes aus dem Nähkästchen. Letztlich saß ich nach einem ökumenischen Gesprächskreis mit einem katholischen Würdenträger bei einer Feuerzangenbowle (sic!) zusammen und dann fiel doch allen Ernstes von ihm der Satz: ach, aber natürlich, die Säuglingstaufe ist historisch und theologisch vollkommener Blödsinn - aber was soll ich machen?

    Prost dazu. Taufe ist nicht alles. Wenn ich in der evangelischen Kirche und nicht als FeG Pastor geendet (bitte: nicht ver-endet!) wäre, würde ich dennoch versuchen, meine Kinder “nur” segnen zu lassen und in der Gemeindepraxis sehr genau hinhören. Und was die eigene Taufe angeht - wenn das Gewissen zunehmend quietscht, dann muss man wohl Gott mehr gehorchen als den Menschen. In FeG wird man innerhalb von einem Jahr Pastor als fertiger Pfarrer…;-)

    Liebe Grüße

    Christof

  11. Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Nur den letzten Satz hätte ich gerne noch mal näher erklärt.

    Für Landeskirchen ist das Problem der nicht-getauften Pfarrerskinder daher ein Problem (m.E. vor allem darum!), da diese dann nicht Mitglied in der Kirche sind.
    Ich hab ja auch schon überlegt, auszutreten, um die Steuern zu sparen. :tongue_wink_ee:
    Kleiner Scherz.

  12. Ach, was mir noch einfiel. Ich habe neulich “Taufe, die Kreise zieht” von Andreas Blaschke gekauft. Sehr geil! http://www.amazon.de/Kreise-zi.....amp;sr=8-1

    Es geht um einen Vorbereitungskurs für Eltern, die ihr Kind taufen oder segnen lassen wollen. Ich halte das sehr gut. Also das Material. Aber auch die Offenheit für beides inlusive der Kritik, die ja auch hier laut geworden ist.

  13. @Wegbegleiter: Dass in der Taufhandlung etwas geschieht, hast du mit dem Stichwort “reale Kraftübertragung” charakterisiert….wie habe ich mir das denn vorzustellen? (Ich glaube, dass hier nämlich das “Entscheidende” liegt, dem ich die ganze Zeit auf den Grund gehen will. :wink_ee: )

  14. @Achti: welchen letzten Satz? Den mit innerhalb von einem Jahr Pastor in FeG werden? Will nur genau wissen, bevor ich dich zulabere… sag mal.

    @David: die reale Kraftübertragung wird natürlich von vielen bestritten, die in der Segenshandlung eine reine Symbolhandlung sehen, eben eulogein, ein gutes Wort über einem Menschen aussprechen. Gerade aber der Kontrast zum Fluch des AT und auch in der Erwähnung Jesu im NT macht deutlich - hier geht es wohl um mehr (zum Thema Realität des Fluchs spreche man mal mit Missionaren - die kriegen das hautnah mit). Nun bin ich kein Charismatiker im konfessionellen Sinne, aber ich glaube dennoch daran, dass es zwischen Himmel und Erde in der unsichtbaren Welt so etwas wie Machtkämpfe gibt (der Teufel schleicht umher wie ein Löwe), in die ein Segen eben segensreich eingreifen kann - wenn wir die Feinde segnen und nicht fluchen sollen, dann werden wir dies, wenn wir nicht lebensmüde sind, nicht in deren Angesicht tun. Sondern im Gebet für die Feinde. D.h. aber in der Konsequenz, dass sie das eulogein nicht mitbekommen, also auch nicht darauf antworten können, sprich: der Segen muss eine andere Wirkung in einer anderen Realität haben. Oder um es mal so zu sagen: der Segen versucht, Reich Gottes in diese gefallene Welt zu holen und shalom aufzurichten.

    Dazu kommt die Handauflegung - da ist vor allem die deutliche Warnung des Paulus an Timotheus, die mich stutzig macht, warum, wenn es nur eine nette Symbolgeste ist, soll er es nicht vorschnell tun? Warum erleben wir bei Glaubenden durch die Handauflegung in der Apg besondere Reaktionen? Magie schließen wir aus, Gruppendynamik wollen wir doch dem NT auch nicht unterstellen und auch dem Sender des Handauflegens wollen wir nicht eine eigene Wirkkraft unterstellen (Stichwort: geweihte Person). Also bleibt meines Erachtens und in aller Vorsicht nur die Antwort: Der Segnende und Handauflegende ist nach dem Priestertum aller Gläubigen jedermann oder jederfrau, ist dabei Kanal für die Kraft und den Geist Gottes, der unverfügbar in das Leben des zu Segnenden gebeten wird. Dabei trifft der Segen auf einen Menschen, der nicht unbedingt glauben muss (Feind!), der aber real (und eben teilweise übernatürlich) Gottes Kraft in seinem Leben erfahren wird! Seine Antwort muss also noch gegeben werden.
    Kurz: die Segenshandlung ist für einen Säugling geradezu perfekt, wogegen das Sakrament der Taufe meines Erachtens Glauben (und nicht nur die Hilfskonstruktion des stellvertretenden Glaubens) voraussetzt. Freu mich weiter über Rückfragen, schaue aber gleich erst mal den Thiel/Boerne Tatort - Antworten kommen also später… :lol_ee:

  15. @Wegbegleiter: Ich bin begeistert. Deine Antworten werden immer mehr zu einer theologischen Abhandlung, was ich mit meinem Beitrag eigentlich gar nicht erreichen wollte, mich aber um so mehr darüber freue, weil das für mich eine sehr interessante und sicherlich auch fruchtbringende Auseinandersetzung mit dem Thema Taufe bedeutet.

    Deinen Aussagen kann ich eigentlich nur zustimmen und ich finde ja auch, dass ich das Kreuzeszeichen bei der Taufe nicht zum Spaß auf die Stirn des Täuflings mache, sondern vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt (insofern hat die Taufe “im Namen” verbunden mit dem Kreuzeszeichen vielleicht sogar eine apotropäische Wirkung, im Sinne von “Unheil abwenden”).
    Deinen Ausführungen zufolge (wenn ich sie richtig interpretiere) würde ich also nun sagen können, dass in der Taufe wirklich etwas geschieht und Gott in einer für uns Menschen manchmal nicht wahrnehmbaren Weise, weil wir uns eben nicht nur in dieser sichtbaren sondern auch vor einer unsichtbaren (geistlichen) Welt wissen, im Leben des Täuflings (ich meine hiermit die Säuglingstaufe) wirkt. Hätte ich dich da richtig verstanden? Wenn ja, ist für mich dann immer noch die Frage, wie man das “kommuniziert”. Ich kann ja schlecht (jetzt mal überspitzt gesagt) den Taufeltern und Taufpaten sagen: “Es passiert schon was, aber was - wissen wir nicht.” Oder?

    Dennoch denke ich, dass es vielleicht hilfreich ist, den konkreten Zusammenhang von Taufhandlung (im Sinne der Säuglingstaufe) und unsichtbarer Welt sich vor Augen zu halten und die Taufe auch als einen Akt der Proklamation der Souveränität Gottes ansehen, die wir vor eben dieser unsichtbaren (und der sichtbaren Welt im Form der anwesenden Gemeinde) Welt aussprechen.

  16. @Dave: gerade der letzte Absatz gefällt mir sehr gut.

    @Wegbegleiter: genau das meinte ich. Wenn ich es recht verstehe, kann ein bereits ordinierter landeskirchlicher Pfarrer nach einem Jahr “Auf-Linie-Bringen” in Ewersbach (shame on me :wink_ee:) FeG-Pastor werden. War das Dein Schicksal?
    Sorry für meinen Hohn. Ich bin Ostfriese, ich kann nicht anders. :rasberry_ee:

  17. Ich noch mal… :cheese1_ee:
    Nein – ich sitze nicht den ganzen Tag nur am PC. Aber mich lässt dieses Thema auch nicht los. Beim Nach-Denken kommen mir noch ein paar Fragen:

    Kommt also der Gläubigentaufe eine andere Realität zu als der Säuglingstaufe? Darf dann überhaupt beides Taufe heißen?
    Wenn ich es recht verstanden habe, ist nach obigen Ausführungen die Säuglingstaufe eher ein Segen, während die den Glauben voraussetzende Taufe eine „Begegnung der dritten Art“ ist. Oder?

    In 1Kor 12 ist die Rede vom Taufen in den Leib Christi. Wenn man das im Umkehrschluss (wenn der mal nicht falsch ist….) auf die Säuglingstaufe anwendet, würden dem Leib Christi tote Glieder hinzugefügt werden. Für eine Institution Kirche mag das auch zutreffen. Doch für den Leib Christi? Dann kann die Säuglingstaufe unmöglich dasselbe meinen wie die andere Taufe.

    Wenn das alles stimmt, passiert in der Taufe von Unmündigen wirklich etwas ganz anderes. Dann ist nicht beides dieselbe christliche Taufe. Und dann kommt es auch nicht auf mich als Subjekt an, ob ich das für mich selbst im Nachhinein so annehmen kann.
    Die Konsequenz wäre eine Gläubigentaufe, die folgerichtig nicht mal als Wiedertaufe bezeichnet werden darf, weil es ja was ganz anderes ist, d.h. das erste war gar keine Taufe.
    Aber straft man damit nicht 2000 Jahre Kirchengeschichte lügen?

    Wie findet Ihr eigentlich die Praxis der Tauferinnerung mit Untertauchen?

    Was ich auch noch fragen wollte: wieso sollte man nicht jemandem vorschnell die Hände zum Segen auflegen?

  18. Hach, ich liebe solche Diskussionen - auch wenn ich mich von David nicht soooo richtig verstanden weiß, von Achti dagegen zu 99% (obwohl er Ostfriese ist und ich katholischer Rheinländer, passt aber nicht so schlecht…). Zuerst Achti:

    Wir akzeptieren das wissenschaftliche Studium in unserem schicken neuen Seminar voll und ganz (und sind ja selbst auf dem Weg zur FH) - das sogenannte Anerkennungsjahr dient nur dem Stallgeruch - Kirchengeschichte der Freikirchen, freikirchliche Dogmatik etc… und dem Hineinschnuppern in typische FeG. By the way - Ewersbach ist ein wie ich finde sehr angenehmes Seminar mit viel Offenheit und Bandbreite für verschiedene Standpunkte - was man nicht von vielen evangelikalen Ausbildungsstätten sagen kann… :shock_ee:
    Ansonsten gibts quasi Arbeitsplatzgarantie, denn FeG wachsen und Pastoren sind Mangelware… so genug der Butterfahrt, Näheres gerne im persönlichen Austausch, den Kontakt kriegst du gerne und jederzeit über mein Blog… :grin1_ee:

    Und nochmal: nö, ich bin ursprünglich Informatiker und bin dann direkt ans TSE gegangen, weil ich ja schon ein akademisches Studium hinter mir hatte und ich den Lehrplan eigentlich ziemlich klasse fand und finde (und bereits ein recht alter Sack war!). Und: deinen ostfriesischen Humor mag ich!… :wink_ee:

    Nochmal zur Taufe - ich sehe es wie Achti: ich kann die Säuglingstaufe nicht als gleichwertig mit der Glaubendentaufe sehen, weder biblisch noch kirchengeschichtlich. Dementsprechend ist auch das, was FeG und andere Freikirchen machen keine Wiedertaufe in unserem Sinne und genau gegen diesen Kampf-Begriff der landeskirchlichen Polemik zu Luthers Zeit, die ja Tausenden das Leben gekoset hat, verwehren sich auch mittlerweile zahlreiche Pfarrer im ökumenischen Gespräch. Und so sind es auch nicht 2000 Jahre Kirchengeschichte, sondern eben nur die Epoche seit der konstantinischen Wende, denn vorher ist nur Mündigentaufe durch Untertauchen nachweisbar. Erst mit der zunehmenden Institutionalisierung der Kirche hat auch die Säuglingstaufe mit automatischer Mitgliedschaft ihren Weg gefunden. Und auch hier gilt natürlich: Taufe ist auch Taufe in einen Leib hinein - wie soll aber der Säugling sich im Leib einbringen können, wie ihn Paulus beschreibt? Und wenn wir ihn nicht nur rein spirituell verstehen wollen - das sei ferne!

    So kann es vielleicht helfen, wenn man als Pfarrer die Taufe als Segenshandlung für sich selbst umdeutet, aber ich könnte das nicht, das sage ich ganz ehrlich. Für mich bleibt Taufe Begegnungsgeschehen und setzt somit die Antwort des Menschen auf den Ruf Christi voraus. Das aber kann ein Säugling nicht leisten. Und so denke ich, folge man der Reihenfolge der Weisung Jesu aus Matthäus 28: zu Jüngern machen, taufen und lehren zu halten… okok, nun sagen die Landeskirchler, das war Missionssituation, aber bitte: was sind wir denn anderes in Deutschland? Und auch der stellvertretende Glaube der Eltern (immer vorhanden?) ist ja ein spätes Hilfskonstrukt der Kirchengeschichte. Deswegen nochmal -meines Erachtens: Taufe ist Taufe und Segen ist Segen und so sollte man es auch nennen und Taufe ist eben was Anderes als Segen - eine andere Kategorie, um es mal philosophisch zu sagen…

    Taufe durch Untertauchen - sicherlich nicht heilsnotwendig, aber für den Täufling ungemein hilfreich, weil der körperliche Ausdruck vom Begrabenwerden sehr spürbar und erlebbar ist. Ich habe das selbst so erlebt und meine bisherigen Täuflinge haben mir das so berichtet, dass gerade der Moment des untersten Punktes ein intensives Erlebnis der Hingabe und der Begegnung ist…

    Handauflegung - keine Ahnung, kann man nur vermuten und man muss dem NT da auch nicht mehr Erklärungen auflegen, als es selbst gibt. Nur soviel: segnen macht etwas mit dem Gesegneten und mit dem Segnenden - und letzteres scheint mir hier im Vordergrund zu stehen. Paulus warnt Timotheus und macht sich um seine geistliche Entwicklung Sorgen. So scheint der Segen in Verbindung mit Handauflegung eine besondere Kraft zu besitzen (nicht vom Segnenden abhängig!), aber wie jede Kraft mag diese Kraft auch einen schmerzhaften Rückstoß bewirken, wenn der Segen nicht landen darf in einem Gott zugewandten Herzen. Annäherungen - mehr nicht. Was man sicher sagen kann: Handauflegung ist mehr als nur betatschen voller Symbolik und: es darf nicht nach der Rasenmähermethode geschehen.

    Puh, der Tatort war klasse und die Diskussion mit euch herzerfrischend - man müsste sich glatt mal auf ein Glas Roten treffen oder auf ein gutes belgisches Bier hier im Grenzland. So aber freue ich mich auf euer feedback morgen früh am Schreibtisch… und geh jetzt in die Heia.

  19. Hey, war das jetzt ein Versuch, mich abzuwerben? :bigsurprise_ee:

    Vielen Dank für die Antworten. Das sind mal weiterführende Anstöße!

    Wir lesen uns. :wink_ee:

  20. Guten Morgen.
    Habe gestern auf der Bettkante noch mal in der Dissertation von Wolram Kerner zum Thema geschmökert (sehr zu empfehlen!).
    Interessant ist der Ansatz des bapt. Theologen Beasley-Murray (BM). Er stellt die Frage, ob die Taufe von Säuglingen und Gläubigen dieselbe Bedeutung hat, oder ob es eher zur Bedeutungsverschiebung kommt, und ob man dann noch von denselben Sakrament sprechen kann (in zwei verschiedenen Formen).
    Seine Analyse fällt negativ aus. Deshalb kann er in der Säuglingstaufe keine gültige Form der einen christl. Taufe erkennen.
    Kerner korrigirt das Ergebnis dahin gehend, dass er statt von Gültigkeit von Vorzugswürdigkeit spricht. Demnach ist die Gläubigentaufe vorzugswürdiger, weil auf sie alle ntl. Taufaussage ohne “theol. Kunstgriffe” (SA) angewendet werden können.
    An der Einverleibung (1Kor 12) hält Kerner auch fest. Die Konstitution der Gemeinschaft Gott-Mensch muss auch dort gültig sein, wo der Mensch dies nicht reflektierend erkennen kann.
    Außerdem macht er den Aspekt Herrschaftswechsel stark, der ebenso für die Gültigkeit spricht.

    Soweit mein Kurzreferat. ;-) Wat sagt Ihr?

    Bis morgen. Hab heute Seminar.

  21. Danke für den Literaturtipp - muss ich dann mal zuhause aus dem Schrank ziehen…Interessant ist dein Satz “Die Konstitution der Gemeinschaft Gott-Mensch muss auch dort gültig sein, wo der Mensch dies nicht reflektierend erkennen kann.” Dazu kann ich nur JA und AMEN sagen, denn (und das habe ich in meiner langjährigen freikirchlichen Zeit so auch erlebt) die Gläubigentaufe kann sehr großen Druck ausüben, wenn man diese Gültigkeit von Gott herkommend auch nur im Ansatz hinterfragt und ein (auch wenn man es so nicht sagen würden) synkretistisches Verhalten an den Tag legt. (Dieses Problem tritt weniger vom NT her auf, sondern vielmehr seitens Christen (Gemeindeglieder wie Pastoren) die bewusst oder unbewusst die Gläubigentaufe als Druckmittel einsetzen. ->kann man dann noch davon sprechen, dass diese Art der Taufe biblisch/glaubwürdiger ist?)

    Ich will dennoch bei der Säuglingstaufe bleiben und muss auch ausgehend von dieser anregenden Diskussion sagen, dass die Säuglingstaufe mehr ist als eine reine Segenshandlung, auch wenn sie qualitativ nicht der Gläubigentaufe gleichgestellt werden kann. Aber muss sie das?

  22. @Achti: Zitat von Kerner (Johannes B.?): Die Konstitution der Gemeinschaft Gott-Mensch muss auch dort gültig sein, wo der Mensch dies nicht reflektierend erkennen kann….

    Sagt der so einfach: Ähem - wie kommt man auf so was? Wozu dient der Leib NT-mäßig? Wenn wir ihn nicht spiritualisieren wollen, dann dient er ganz handfest dem Bau des Reiches Gottes. Dem Aufrichten des shalom auf Erden, dem Einbringen von Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit. So wie Jesus das in der Bergpredigt beschreibt. Nun bin ich durchaus bereit, einem 8 oder 10-jährigen Kind eine Rolle in diesem Reich zuzugestehen (wenn auch noch andere Aspekte für eine Taufe fehlen…), aber einem vollkommen unreflektierten Säugling? Ich kann das biblisch nicht nachvollziehen. Hier wird der wirklich gute Beasley-Murray (das Standardwerk in Freikirchens, weil theologisch sehr sachlich und ausgewogen und ohne jede Häme) genommen und auf landeskirchliche Vehältnisse hingebogen. Man hat einfach (und auch verständlicherweise) nicht den Mut, die Säuglingstaufe als das anzuerkennen, was sie ist - eine historische Sackgasse. M. Luther hat in seinen besten Schriften das Kirchentum aller Gläubigen (!) gefordert und unterschieden zwischen der Versammlung derer, die wirklich glauben und der Marktversammlung für das restliche Volk - das hat er dann fix gedreht, als es hart wurde, und das war auch damals verständlich. Und der letzte Band der Kirchlichen Dogmatik von K. Barth wird wohl deswegen nicht so ganz gerne von ihm gelesen in Kirchens, weil er die Säuglingstaufe komplett demontiert…. doch wann kommt der Mut der Kirche, diesen Schritt nachzuvollziehen? Kleckerweise kann ich das in den Publikationen wahrnehmen, doch wird es nicht langsam Zeit? In unserer Ecke gebe ich den Landeskirchen noch 10-20 Jahre. Und ich bedaure das, denn wir brauchen christliche Kirchen. Aber de facto haben die beiden großen evangelischen Kirchen in Eschweiler 10-20 Gottesdienstbesucher jenseits der 70 un das war es dann… die Katholiken haben die starke Traditionsbindung, die Landeskirchen haben diese nur sehr regional begrenzt (Pietkong etc.) - ich denke, es wird Zeit.

    @David: deine Umdeutung kann ich gut verstehen, aber ich finde sie eben nicht koscher. Dann muss man auch mit offenen Karten gegenüber den Eltern spielen und klar sagen: ich ziehe die Glaubendentaufe vor, was ich hier mache ist eigentlich “nur” eine Segnung. Und die automatische Mitgliedschaft ist meines Erachtens eine Entmündigung des Kindes, dass später selbst einen gnadenvollen Gott erleben soll, der in Glaube, Gemeinschaft und Taufe ruft - so aber den Ballast der Kirchenmitgliedschaft am Knöchel hängen hat.

    Und: ich habe Glaubendentaufe in unseren Kreisen noch nie als Druckmittel empfunden, sehr wohl aber bei Baptistens - wo ja quasi die Taufe als must parallel zur Aufnahme in die Gemeinschaft läuft und damit auch institutionalisiert wird - ich halte das für falsch und hochproblematisch, das ist die FeG Praxis sinnvoll und entlastend.

    Soweit von mir - Kinners, ihr wisst nicht, wie schön das Erlebnis der Taufe ist und das wird den Kids genommen und das ist schade! Mal ganz emotional an das Ende gesetzt. Segen!

  23. Sorry, ich muss Dir das Schlusswort nehmen. :smile2_ee:
    Ich denke, Dave, soweit sind wir doch auch, dass wir unseren eigenen Kindern diesen inneren Kampf um die Rechtmäßigkeit der eigenen Taufe ersparen wollen. Oder?

    Die Frage ist nur, was gewonnen wäre, wenn irgend ein Säuglingsgetaufter sich noch mal richtig taufen ließe. Wozu? (Und bitte nicht diese Frage als utilitaristisch in Grund und Boden stampfen).

    Rein emotional, beneide ich die gläubig Getauften. Aber kann das ein Argument sein? Für was überhaupt?

    Und nun noch mal persönlich@Christof: Bist Du als Ex-Katholik dann auch noch mal getauft worden? Wieso?

  24. Ja, den will ich ihnen ersparen - auch wenn Du recht hast: den Sinn, sich nochmals zu taufen, sehe ich auch nicht. Zu sagen “Die Säuglingstaufe ist keine Taufe” und damit sich des Wiedertaufens entledigen ist ein wenig oberflächlich und kurz gedacht.

    Die Frage nach dem “emotionalen Argument” ist in der Tat eine gute Frage. Vielleicht bekommen wir hier eine Antwort drauf.

  25. Och, ich wollte überhaupt kein Schlusswort sprechen, bin gerne wieder dabei. Für mich als säuglingsgetaufter KAtholik war die Sache ziemlich klar. Ich halte die Taufdogmatik der Säuglingstaufe (ST) für falsch, erst recht die der katholischen Kirche und ich finde es lustig, dass ihr teilweise selbst feststellt oder zumindest in Frage stellt, ob denn die ST wirklich vollwertige Taufe sein kann - dann aber nicht die logische Konsequenz zieht und die Glaubendentaufe (GT) zumindest theoretisch erwägt und offen lasst?

    Denn entweder ist die ST vollwertige Taufe, dann ist alles paletti und wir sind Wiedertäufer oder sie ist eben keine Taufe im ursprünglich gedachten Sinne und dann ist die GT keine Wiedertaufe (wie auch von euch festgestellt) und erst die eigentliche Taufe. Nach der Taufdogmatik von Beasley-Murray und auch nach meiner Logik (wobei Gott nicht immer logisch ist…) ist ein Mensch mit ST noch nicht vollwertig getauft, also eigentlich nicht getauft.

    Ob man das nun als Manko empfindet oder nicht - das ist finde ich eine sehr persönliche Sache und das lassen FeG ja auch frei und ich habe da nie in den mir bekannten Gemeinden Druck erlebt (bin allerdings auch erst mit 23 Christ geworden und also kein Gemeindekind). Eine Frage des Gewissens - ganz praktisch: ich habe jetzt eine Frau in der Gemeinde, die jahrelang Mitglied bei uns ist und in die Seelsorge kam, weil sie meinte, ein Stück Durchbruch zu benötigen in ihrem Glauben. Durch die Gespräche kam etwas in Gang und mit einem Mal saß sie strahlend da und sagte (eine sonst sehr nüchterne Frau): ich habe eine Tür durchschritten - und seitdem ist sie begeistert in der Gemeinde und im pers. Glauben dabei und will sich taufen lassen (Ende Januar), was vorher für sie undenkbar war, ist jetzt für sie ganz gelassene Gewissheit, ohne dass sie irgendjemand drauf angesprochen hat… woher kommt sowas? Ich weiss es nicht - ich habe einfach meine eigene Taufe als ein bewusstes Handeln Gottes an mir erlebt, dass mir Halt gibt, auch wenn ich zwischendurch am Glauben fast irre werde. Und ich denke, manche nehmen diese Kraft sehr wohl aus ihrer ST in nachträglicher Anerkennung und ich denke auch, Gott kann damit gut leben. Das ist doch vollkommen ok.

    Ich habe mich noch einmal taufen lassen, nachdem ich das Semester Taufdogmatik durchgekämpft hatte und mich selbst gründlich gegen diesen Gedanken gewehrt hatte (peinlich! jetzt noch! etc). Ich habe einfach Gott ehrlich die Option gelassen und er hat mich überzeugt. Und es war ein unvergessliches Erlebnis. Ich denke, wir dürfen bei den körperlichen Sakramenten diese emotionale Komponente nicht vernachlässigen, die ist Teil der Ganzheitlichkeit Gottes in seinem Handeln an uns und deswegen finde ich auch das Untertauchen notwendig, aber natürlich nicht heilsnotwendig.

    Womit ich nicht so gut wie ihr leben könnte - und das sage ich bitte ohne Verurteilung! - ist, als Amtsträger hinter einer als schief erkannten Theologie zu stehen. Die eigenen Kinder frei in ihrer Entscheidung zu lassen, aber weiterhin zu taufen und damit ein reales, vollwertiges Sakrament weiterzugeben, von dem man nicht wirklich glaubt, dass es so gedacht war… Gott kann natürlich auch in so etwas handeln, aber haben die Getauften eine höhere Wahrscheinlichkeit, später wirklich den Weg zu Jesus zu finden? Ich kenne keine Statistiken, aber ich vermute fast, dass die Freiheit den Kids besser tut, als das Überstülpen…

    Soweit erst mal - ich hänge noch an der Präsentation für den Godi morgen… freu mich aber über einen weiteren Dialog, falls gewünscht mit einem ketzerischen, abwerbenden Freikirchler… :grin2_ee:

  26. Bei der landeskirchlichen Praxis geht es nicht um ein quantitatives Mehr, oder um eine höhere Wahrscheinlichkeit. Es geht nicht um Konkurrenz. Doch es trägt der Tatsache Rechnung, dass eben sehr viele Menschen den Volkskirchen angehören und auf diesem Wege für den Glauben gewonnen werden können. Vielleicht würden sie sonst nie mit dem Evangelium in Berührung kommen. Gerade erst letzten Sonntag - ich hatte Vertretung im Nachbarort - da saßen drei frisch bekehrte Konfis unter der Kanzel.

    Inkonsequenz? Mag sein. Allerdings sehe ich die auf der anderen Seite auch. Denn wenn man sagt, die ST sei eigentlich keine gültige Taufe, kann man das Ganze nicht auf die subjektive Entscheidung des Einzelnen herunterziehen. Entweder ST ist Taufe oder nicht. Und dann müsste solchen Menschen auch gesagt werden, was Sache ist. Das wäre konsequent.
    Wenn man es Einzelnen überlässt, ob er selbst seine ST als gültig anerkennt, räumt man die Möglichkeit der Gültigkeit ja sehr wohl mit ein.
    Von daher ist der baptistische Standpunkt konsequenter, wenn auch weniger barmherzig.

    Von daher teile ich die Unterscheidung von Kerner zwischen Gültigkeit und Vorzugswürdigkeit.
    Der oben von mir erwähnte Taufkurs führt Eltern übrigens auch vor die Entscheidung, ob sie die Taufe nicht lieber aufschieben wollen.

  27. Die quantitative Schiene ist nicht die Entscheidende, aber eben auch nicht komplett unwichtig. Man darf schon fragen: welchen Vorteil bringt eine Säuglingstaufe?

    Und richtig: der FeG Standpunkt ist dogmatisch wabbelig - das habe ich oben bereits gesagt, aber barmherzig. Er berücksichtigt einfach, dass es eine größere Wichtigkeit des Glaubens vor der Taufe gibt. Nochmal: mir geht es nicht darum, jemanden anzugreifen, ihr habt mich gefragt. Wenn ihr mit eurem Standpunkt prima leben könnt - ist doch klasse! Nur denke ich, haben die Eltern, die sich nach der Vorbereitung für die ST entscheiden, das Recht, einen Pfarrer vor sich zu haben, der dahinter steht und ihnen ins Gesicht sagen kann: jawoll, das ist eine vollwertige Taufe, gnä’ Frau! Wenn man das nicht kann, ist meines Erachtens etwas schief. Wenn andere das anders sehen, versteh ich das zwar intellektuell und logisch nicht mehr und käme mir als Eltern auch verar…. vor, ich kann aber damit prächtig leben, wenn ihr das prima hinbekommt! - denn: nur der Glaube zählt. Und ich habe den höchsten Respekt vor eurer Arbeit und eurem Engagement.

  28. Ist die Glaubenstaufe und die Konfirmation von der Aussage her nicht vergleichbar? (unabhängig von der Vorgehensweise)

  29. @Thomas - äh, wenn du die vorigen 27. Beiträge gründlich verfolgt hast, kannst du das wirklich nicht vergleichen. Die Taufe ist ein Begegnungsgeschehen zwischen Gott und Mensch und weit mehr als nur ein Bekennntnis. Die Konfirmation ist ein Bekenntnis, eine nachträgliche, bewusste Anerkennung dessen, was an einem als Säugling geschehen ist und nun seinen Wiederhall gefunden hat im persönlichen Glauben (bei 5% der Konfis - manchmal mehr, manchmal weniger), der Rest macht es als Ritual. Vergleichbar ist nur ein einziger Punkt: da stellt sich jemand hin und sagt: ich glaube.

  30. Hi Dave,
    also danke mal für diese Argumentation. Genau hier liegt der Knackpunkt in der Argumentation der Vertreter der Kindertaufe. Gott ist ein Gott der Liebe und wird die Menschen niemals in seine Arme zwingen. Deshalb plädiere ich verstärkt für eine Segnung der Kinder. So ja auch im Kinderevangelium in Markus 10 beschrieben. Jesus segnete die Kleinen. Er taufte sie aber nicht. M.E. könnte die Kirchenmitgliedschaft an ein verbindliches Segnungsritual gekoppelt werden. Dann bleibt Landeskirche erhalten - eben auch mit allen ihren Vorteilen. Und es müssen nicht mehr theologische und formale Argumentationsweisen vermischt werden. Denn es ist theologisch nicht akzeptabel die Taufe an die Kirchenmitgliedschaft zu binden. Die Gründe die dahinterstehen kennen wir ja…

  31. @Wegbegleiter: Also in Deiner Argumentation gegen die Konfirmation wirst Du mir nun doch ein wenig zu polemisch. :wink_ee: (Dennoch finde ich den Vorschlag mit dem Glas Roten von oben sehr gut…) Denn: Wenn ich den Konfirmandenunterricht als “nachgeholen Taufunterricht” verstehe, kann sogar die Konfirmandenzeit ein “Begegnungsgeschehen” werden, insofern als dass sich ein Jugendlicher/eine Jugendliche zu Christus bekehrt. Und dann in der Konfirmation zu sagen “Ich glaube” oder “Ich bekenne” finde ich alles andere als “verwerflich” (auch wenn Du es so nicht ausgedrückt hast). Bevor nun Proteste kommen: Dass es in vielen Gemeinden alles andere als ein “Taufunterricht” ist, sollte uns nicht davon abhalten, den Konfiunterricht als solchen zu sehen.

    @Markus: Wie schön, von Dir zu hören!!! :grin1_ee: Du sprichst mir aus der Seele: Man sollte sich wirklich mal hinterfragen, inwiefern die derzeitige Handhabe der Säuglingstaufe dem “In Freiheit liebenden Gott” entspricht. Unsere Landeskirche (und die gesamte EKD) benötigt dringend ein Umdenken hinsichtlich einer Kindersegnung (an die sie meinetwegen die Kirchenmitgliedschaft knüpfen können). Denn selbst die jetzige Praxis erlaubt streng genommen keine Kindersegnung, sondern lediglich eine “Fürbitte für ein Kind, dessen Taufe aufgeschoben wird”, weil die Segnung zu sehr mit der Taufe verwechselt werden könnte. Hier gilt es: Umdenken!

  32. @David: nö, polemisch war das gar nicht gemeint, ich zitiere aus der Erfahrung meiner evangelischen Kollegen. Wir haben als FeG zusammen mit den Unierten hier aus Eschweiler JesusHouse gemacht, bzw. wir haben gemacht und sie haben sich angeschlossen. Dazu haben wir die letzten 5 Jahrgänge, über 150 Konfis angeschrieben, von denen kommt keiner (!) mehr in die Kirche und zu JesusHouse ist keiner (!) aufgetaucht. Die Polemik (oder Trauer und Bitterkeit) kommt also aus den eigenen Reihen und ich habe hohen Respekt davor, wenn jemand in seinem Konfi-Unterricht zum lebendigen Glauben findet und das bekennt - da haben wir auch ein paar ganz fitte Leute in der Gemeinde, die so ihren Glauben angefangen haben. No problem!
    Natürlich kann Konfi-Unterricht zum Begegnungsgeschehen werden, man darf in dennoch nicht mit der Taufe vergleichen, denn der leibliche Aspekt fehlt komplett und auch theologisch nehme ich erst einmal immer da ernst, was die Kirche selbst von ihren Ritualen sagt und nicht, was ich da hinein lesen möchte - deswegen nehme ich auch nicht an einem katholischen Abendmahl teil, eben weil dies von katholischer Seite explizit ausgeschlossen wird. Da kann ich noch so locker sein und das alles ganz anders deuten und verstehen - ich möchte die jeweilige Tradition ernst nehmen, auch dann, wann es mir nicht passt. Egal wie: ich freue mich über jede Form von Umdenken und ermutige euch zur Radikalität. Wenn viele so fragen und diskutieren würden, würden auch manche Kirchenoberen sich andere Gedanken machen müssen - uns das wäre fein.
    Außerdem habe ich zahlreiche Rote im Vorrat und wenn Bedarf ist… :smirk2_ee:

  33. Hallo in die Runde,
    ich bin zwar kein Theologe, habe aber trotzdem interessiert zugelesen.
    An die Landeskirchler hätte ich da noch ne Frage (der FeGler darf sich natürlich auch gerne äußern ;)):
    Wie seht ihr denn das Verhältnis von Taufe und Konfirmation?
    Wenn ich die (Säuglings-)Taufe mal ganz grob als Handeln Gottes interpretiere, müsste doch die Konfirmation die menschliche Antwort auf das Handeln Gottes sein. Das setzt aber voraus, dass der “Ja”-Sagende dieses Ja auch ernst meint. Das sehe ich aber auch in Gemeinden, deren Pfarrer Wert auf den Glauben als heilsrelevante Kategorie legen (um mich mal nicht über ihr persönliches Glaubensleben auszulassen), leider nicht. Da werden doch trotzdem alle irgendwie durchgeschleust, oder?

  34. Die Konfirmation war so gedacht, dass der Glaube gefestigt bzw. hervorgerufen werden sollte. Bei mir selbst z.B. hat das auch geklappt, so dass ich auf der Konfirmation ein wahrhaftiges JA sagen konnte. Doch ist eben nicht immer so. Man den Glauben ja nicht machen.
    Konfirmiert werden deshalb alle. Ich glaube, in vielen Gemeinden müssen die laut “ja” sagen, damit sie konfirmiert werden. Das ruft natürlich Heuchelei auf den Plan, denn sonst gibt’s ja keine Geschenke…. :bigsurprise_ee:
    Bei uns damals wurde auf die Frage eine stille Antwort erwartet. Es war nicht feststellbar, wer ja oder nein oder ein “ausprobieren” wählte (die drei Möglichkeiten gab’s).
    Ausgehend von der ST ist Konfirmation der richtige Weg, damit die Kids auch gelehrt und zum Glauben eingeladen werden.
    Das Ritual als solches soll beides sein: Antwort des Menschen und Segnung. Einige Hochkirchler sprechen hier auch von Geistverleihung. Da wäre ich vorsichtiger.

  35. …ganz am Anfang ging es um Röm 6. Richtig - da geht es m.E. überhaupt nicht primär um die Taufe, sondern ist nur der gemeinsame Argumentationsgrund, auf den sich Paulus begibt. Thema ist die Existenz im Glauben.

    Meine Meinung zu der ganzen Geschichte ist NICHT auf die späte Uhrzeit zurückzuführen… Mir ist die Bemerkung eines Dozenten in Greifswald unvergessen: “Was genau in der Taufe geschieht, ist relativ unklar. Aber eins ist ganz klar: Sie ist uns aufgetragen!” Glaube, das gilt für viele Dinge im Glauben. Was genau passiert im Gebet? Weiß Gott nicht eh schon alles? Steht sein Handeln nicht sowieso schon fest? Alles Spekulation - wir sollen beten!

    …natürlich kann man jetzt wieder fragen, WANN wir denn taufen sollen… Und natürlich müssen wir den Sinn der Taufe auch kommunizieren können. Aber mir ist es eine große Hilfe, wenn ich mir von vornherein klarmache, dass ich mit bleibenden Fragezeichen zurechtkomme.

  36. Wir sind ja nun schon ein wenig weiter hier im Predigerseminar aber interessanterweise begegnet das Thema “Taufe” immer wieder. Heute explizit - und zwar im Zusammenhang mit der Beerdigung. In der Agende heißt es nämlich, dass folgendes am Grab gesprochen werden soll: “Gott vollende an dir, was er dir in der Taufe geschenkt hat, und gebe dir teil an seiner Herrlichkeit.” (Agende für die Evangelische Landeskirche in Baden, Band IV: Bestattung, S. 40)

    Was hat Gott denn dem Menschen in der Taufe geschenkt? Tja….das Thema zieht so seine Kreise.

  37. Seltsame Formulierung… ich vermute: Gnade? Aber die hat er doch aufgrund des Glaubens geschenkt? Schwierig - ich bleibe dabei: die (auch zeitliche) Einheit von Glaube und Taufe ist wichtig - dann regeln sich auch solche Sätze und ergeben durchaus ihren Sinn.

  38. ja in der tat weiß ich auch nicht, was da noch sinn ergeben sollte. zumal wie interessanterweise dann auch auf die frage nach dem gericht zu sprechen gekommen sind (bzw. ich habe sie in die runde geworfen). da ist doch auch ein knackpunkt: wir können aussagen bis hin zum gericht machen - aber nicht darüber hinaus, weil wir nicht richter sind. aber glauben wir, dass es ein jüngstes gericht gibt? dass es für jeden (!) menschen gilt? dass es einen doppelten ausgang haben kann? das waren ganz interessante fragen dann noch, für die aber leider zu wenig zeit blieb.

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