Eine gerechte Bibel!?
Ich kann mich noch gut erinnern. Da hat der Sozialpädagoge und Gründer der »Jesus Freaks«, Martin Dreyer, die sogenannte »Volxbibel« veröffentlicht - und fand sich schnell im Gewitter der Hasstiraden wieder.
So könne man doch nicht mit dem Wort Gottes umgehen.
Unverschämt und viel zu profan.
Der Heiligkeit nicht angemessen.
Schwerwiegende Übersetzungsfehler.
Eine Entstellung der christlichen Botschaft.
Doch - es geht noch schlimmer: Am 5. Oktober ist auf der Frankfurter Buchmesse die »Bibel in gerechter Sprache« vorgestellt worden. Hoppla. Eine gerechte Sprache? Was ist denn das bitte? Aber natürlich. Eine Sprache, die jeden Menschen gleich behandelt, nicht wertet. So weit so gut. Alles ehrbar und nett.
Aber was muss man dann in dieser Bibel lesen?
Da ist plötzlich von »die Ewige« die Rede - gemeint ist Gott. Oder man liest etwas von »Pharisäerinnen«. Das ist schon so dumm, dass es weh tut. Pharisäerinnen? Na klar. Das ist so was wie Bürgersteigin oder Geldbeutelin. Alles muss schließlich »sprachlich gerecht« präsentiert werden. Ob es dann überhaupt noch der Realität und den historischen Fakten (die der wissenschaftlichen Theologie ansonsten ja so immens wichtig sind) entspricht, spielt plötzlich keine Rolle mehr. Schon merkwürdig.
Auf der Homepage dieser Übersetzung kann man sich das ein oder andere Übersetzungsbeispiel anschauen. Beispielsweise Amos 8,1-3. Zufälligerweise genau der Text, den ich in meinem Examen in AT zu übersetzen hatte. Und ich denke nicht, dass ich mit dieser Übersetzung eine Chance gehabt hätte. »Gott, die Macht«…jaja. Alles klar. »Möge die Macht mit euch sein.« Das kennen wir ja von woanders her.
Es gäbe noch einige andere Beispiele, die zu erwähnen sind - aber das bringt ja nix. Ich frage mich nur, wie weit es schon gekommen ist, dass im Zuge einer scheinbaren Gleichberechtigung (scheinbar deswegen, da »die« Macht nun nicht wirklich als »geschlechtsneutral« bezeichnet werden kann) man die Bibel verbiegen muss. Haben wir das wirklich nötig?
www.bibel-in-gerechter-sprache.de
www.idea.de/startseite/nachrichten/sv-ss-rubriknews/article/47666/128/
tja, Dave, ‘Mann’ kann nicht alles verstehen. Ich zum Beispiel nenne mich der gerechtigkeithalber immer Ehemännin. Ich muss ja auch meine femininen Anteile zum Ausdruck bringen.
Dein Text ist nach neuer Fassung nicht ganz korrekt. Ich helfe Dir mal beim Einstieg:
Ich kann mich noch gut erinnern/sieinnsien. Da hat der/die Sozialpädagoge/Sozialpädagogin und Gründer/Gründsiein der/die »Jesus Freaks/Freaksinnen«, Martin Dreyer/Dreysie, die/der sogenannte »Volxbibel« veröffentlicht - und fand sich schnell im Gewitter/Gewittsie der/die Hasstiraden wieder/wiedsie.
friede sei diesem blog. - mh. ich finde das projekt der bibel in gerechter sprache eigentlich ziemlich spannend. hast du da mal rein geschaut? es ist von buch zu buch (da es verschiedene übersetzer sind) recht unterschiedlich und deswegen ist es schwierig das ganze projekt über den kamm zu scheren.
ein grosser unterschied ist meiner meinung nach nicht eigentlich die bemühung um gerechte sprache, sondern dass es eine übersetzung ist, die sich offen legt. so gibt es bei einigen wörtern eine markierung mit einem °, dann findet man im innenrand der seite das wort des ausgangstextes. also meinetwegen bei “°gottes welt” eben “basileia”. im anhang findet man einen lexikalischen eintrag zu “basileia”, was den leser eigentlich noch einmal herausfordert zu fragen: wie würde ich denn eigentlich “basileia” “übersetzen”? gibt das wort “reich” oder “königtum” das her, was gemeint ist? etc.
eine schöne idee ist doch auch, dass im hebräischen teil der gottesname grau unterlegt ist und es in der kopfleiste mehrere vorschläge gibt, mit welchem “ersatznamen” man den gottesnamen “lesen” will. der zweidimensionale text ist aufgebrochen und der leser muss quasi sich selbst mit einbringen: wie “nenne” ich gott eigentlich? wie “rufe” ich ihn eigentlich an? was ist meine erfahrung?
tja, und selbst, wenn es einem nicht gefällt ist das doch ein guter anlass mal wieder zu fragen, was man denn selbst eigentlich von einer übersetzung erwartet.