Bischof ohne Profil.

Date 13. 4. 2008 | von: David Brunner

EDIT 14.4.2008: Ich habe der EKD geschrieben gehabt und sie gebeten, mir die Kontaktaufnahme mit Bischof Huber zu ermöglichen, um auf seine Stellungnahme Rückmeldung zu geben. Mir wurde die Emailadresse des “Persönlichen Referenten” des Bischofs gemailt mit der Nachricht, diesem zu schreiben, der die Rückmeldung dann an Bischof Huber weiterleiten wird. Ich möchte die Mailadresse hier wegen SPAM nicht veröffentlichen, aber wer von der Option Gebrauch machen möchte, Bischof Huber Rückmeldung zu seiner Stellungnahme zu geben, kann sich bei mir melden, dann gebe ich gerne die Mailadresse weiter. Bitte macht davon Gebrauch!

huber.jpg

Von Bischof Wolfgang Huber, seines Zeichens auch Vorsitzender des Rates der EKD (für alle Nicht-Landeskirchlichler: der Papst der Evangelischen Kirche in Deutschland), bin ich maßlos enttäuscht. Hat er sich in der Vergangenheit zu vielen Fragen, bspw. bei der Frage nach Mission und Evangelisation sowie der Zukunft der Kirche in Deutschland, sehr positiv geäußert, kann ich jetzt nur den Kopf schütteln, was er zum Beschluss des Bundestages sagt, die Forschung mit embryonalen Stammzellen durch die Stichtagsverlegung zu forcieren.

Anstatt ein klares Statement für den Schutz des Lebens abzugeben, äußert er Respekt - und daraus schließe ich auch ein Zustimmen - gegenüber dem Beschluss des Bundestages. Überrascht hat es mich nicht, hat er sich doch schon im Vorfeld für eine Verschiebung des Stichtages ausgesprochen. Gehofft habe ich es dennoch, dass er seine Meinung ändert. Hat er nicht. Schade. Stattdessen gibt er folgendes Statement ab:

“Ich habe großen Respekt dafür, wie der Bundestag in dieser schwierigen Frage entschieden hat. Ziel muss es sein, die Grundlagenforschung mit embryonalen Stammzellen so schnell wie möglich hinter uns zu lassen, um den Schwerpunkt auf die Forschung mit adulten Stammzellen zu legen. Menschliche Embryonen dürfen nicht zu Forschungszwecken hergestellt und verbraucht werden. Für die Glaubwürdigkeit der getroffenen Entscheidung ist es nun entscheidend, dass sich Wissenschaft und Politik klar für die Einmaligkeit der Stichtagsverschiebung einsetzen.” (Quelle: ekd.de)

“Menschliche Embryonen dürfen nicht zu Forschungszwecken hergestellt und verbraucht werden.” Konsequent wäre es gewesen, dann auch gegen eine Stichtagsverlegung zu sein - denn nun gibt es m.E. keinerlei Gründe mehr, den Stichtag eines Tages wieder zu verschieben. Zudem werden menschliche Embryonen für Forschungszwecke in der embryonalen Stammzellenforschung hergestellt und verbraucht. Ich verstehe den Bischof nicht. Scheinbar widerspricht er sich lieber selbst, als eine klare Position zu beziehen, die unter Umständen unpopulär sein könnte. Und das, wo er doch selbst erst ein Buch mit dem Titel “Position beziehen” veröffentlicht hat. Schade.

Weitaus positiver hat sich hier der GRÜNEN-Politiker Volker Beck geäußert. Dessen Wortbeitrag in der Debatte vor der Abstimmung bearbeite ich gerade als Video und werde es hoffentlich noch bald hier reinstellen. Vor Beck ziehe ich in diesem Zusammenhang den Hut - aber nicht vor Bischof Huber!

14 Kommentare »

  1. Kommentar von francis am 14. April 2008

    da kann ich dir nur voll zustimmen, hubers haltung zu dem thema ist völlig unverständlich und wischiwaschi. dass ausgerechnet volker beck in diesem thema plötzlich zum indirekten verbündeten vieler christen wird, ist wohl eine ironie der “postmoderne”.

  2. Kommentar von David Brunner am 14. April 2008

    Ja, das ist in der Tat irgendwie Ironie.

    Ich habe der EKD jetzt erst einmal gemailt, dass ich Bischof Huber gerne meine Gedanken mitteilen möchte (jaja, ich weiß. wenn überhaupt geht das nur an seinen persönlichen Referenten, aber egal. Wenn schon, denn schon.) und warte auf eine Rückmeldung. Ich fände es gut, wenn das auch noch andere tun, die mit seiner Stellungnahme nicht einverstanden sind, so dass wir in aller “protestantischen Freiheit” ihm zu erkennen geben: es geht auch anders.

  3. Kommentar von Jonathan Schneider am 14. April 2008

    Nunja, mit was verdienst du ein paar Cent auf deiner Webseite?

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  4. Kommentar von David Brunner am 14. April 2008

    Naja. Dass das ein wenig komisch aussieht, gebe ich ja zu, aber ich kann nur bedingt etwas dafür, da die Werbung automatisch generiert wird, ausgehend von dem Inhalt auf meiner Seite. Deswegen habe ich diese Werbung erstmal entfernt von meiner Homepage. Aber Jonathan: etwas genauer hinschauen und differenzieren, dann wirst du kleine, aber entscheidende Unterschiede erkennen.
    However. Um nicht zu sehr zu verwirren ist die Werbung weg.

  5. Kommentar von Karsten am 14. April 2008

    Na, habe ich ihm doch auch gleich mal geschrieben.
    Danke für die Anregung, Bruder.

  6. Kommentar von Doxadei am 15. April 2008

    Irgendeiner hat mir in’s Ohr geflüstert, dass Bischof Huber Ambitionen auf das Amt des Bundespräsidenten hat. Mehrheitsfähig wäre er ja jetzt nach seiner Positionierung. Die Grünen-Politikerin Antje Vollmer hat mir vor einigen Wochen erzählt, wer christliche Positionen beziehe, mache inzwischen eine Minderheitenpolitik. Wer will sich das noch leisten in der Politik? Die Grünen sind in Frage der Stammzellenforschung sehr christlich gefärbt (in Fragen der Abtreibung leider genau das Gegenteil - wo fängt der Schutz des Lebens an, wo hört er auf???) Mein bisheriges Wahlverhalten ist jedenfalls ordentlich ins Schlingern geraten. Die Stellungnahme von Bischof Huber hat übrigens auch die ökumenischen Bemühungen sehr verschlechtert, wie Kardinal Lehmann geäußert hat, der ehemalige Vorsitzende der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Ein Satz ist mir noch aus meiner Kirchengeschichtsvorlesung im Ohr: Wenn es etwas gibt, dass die Christen von Anfang an, von Urzeiten an, heftigst verteidigt haben, dann war es das ungeborene Leben, weil es das schutzloseste Leben ist. Ich finde es schrecklich, wenn diese Position heute so leichtfertig aufgegeben wird.

  7. Pingback von Danke, Volker Beck! | brunner24.com am 15. April 2008

    […] in meinem letzten Beitrag schon geschrieben, hat sich Volker Beck (Bündnis 90 / DIE GRÜNEN) in der Debatte um die […]

  8. Kommentar von Altfried am 17. April 2008

    Ich hatte am 12.04. in einer Email an Frau Merkel, Frau Schavan und Herrn Meyer (MdB) mein Befremden und meine Enttäuschung über die Entscheidung vom 11.04. zum Ausdruck gebracht. Heute erreichte mich eine Antwort aus dem Büro Merkel, in der man sich u. a. auf Landesbischof Huber beruft:

    „… Gerade die Abgeordneten der CDU haben sehr stark um eine ethisch vertretbare Lösung gerungen. Ich bitte Sie, ihre getroffene Gewissensentscheidung zu respektieren. Schließlich wird die Frage auch in den christlichen Kirchen unterschiedlich bewertet. So hat z. B. der VORSITZENDE DES RATES DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND; BISCHOF WOLFGANG HUBER, dargelegt, dass er gegen eine einmalige Verschiebung des Stichtags keine ethischen Bedenken hat. …“

    (Hervorhebung von mir)

    Nicht wirklich ein gelungenes Stück Ökumene, scheint mir. :downer_ee: Ob Bischof Huber das bei seinen aus katholischer Sicht kaum nachzuvollziehenden Äußerungen bedacht und gewollt hat, zum Kronzeugen der CDU in Sachen Lebensschutz(aufgabe)-Politik zu werden?

    Mit brüderlichen Grüßen,

    Altfried

  9. Kommentar von David Brunner am 17. April 2008

    In der Tat. Für die Einheit der Christen war das ganz sicher kein Glanzstück. :mad1_ee:

  10. Kommentar von Arnachie am 19. April 2008

    Um hier mal den Konsenz zu durchbrechen:
    Verantwortliche ethische Entscheidungen zu treffen ist nicht dasselbe wie die vorgefertigte Meinung einer bestimmten Gruppe zu wiederholen. Man muss aus der Sicherheit in die Unsicherheit gehen und das Gewicht einer ethischen Fragestellung zu spüren, erst dann kann man eine verantwortliche Meinung fällen.

    Es gibt nunmal nicht die eine christliche Lösung zu allen Problemen dieser Welt. Für mich ist Polemik (nein, ich hab jetzt bei dir keine festellen können, ich mein das allgemein) gegenüber einer anderen Meinung in einer der schwereren ethsichen Fragen ein sicheres Zeichen dafür, dass sich jemand nicht ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt hat.
    Ich denke tatsächlich, dass das eine schwere Frage ist und man sollte nicht so tun, als sei es einfach und eindeutig und es läge auf der Hand, wie man zu denken und zu fühlen hat.

  11. Kommentar von Daniel am 20. April 2008

    Ich würde mich freuen, wenn wir Christen bei Fragen, die eindeutig geborenes Leben betreffen - zum Beispiel, wenn es um soziale Gerechtigkeit geht - genauso eindeutig und engagiert Position beziehen würden…

  12. Kommentar von David Brunner am 20. April 2008

    Ich stimme Dir insofern zu, als dass wir gegen Gottlosigkeiten, die das geborene Leben betreffen, die Stimme genauso erheben - wobei ich den Begriff “soziale Gerechtigkeit” nicht mehr hören kann. Dahinter kann sich nämlich alles und nix verbergen. Von daher bin ich dafür, die Dinge konkret zu benennen.

  13. Kommentar von Daniel am 20. April 2008

    Sicher, “soziale Gerechtigkeit” ist ein dehnbarer Begriff. Ich habe ihn trotzdem bewusst gewählt, da es ja gerade darum geht, diesen Begriff im Diskurs mit Inhalt und Leben zu füllen. Außerdem wollte ich mit Beispielen nicht zu weit vom eigentlichen Thema abkommen. Das könnte sonst abendfüllend werden… :)

    Ich wollte nur meiner Verwunderung darüber Ausdruck verleihen, dass Christen bei “moralischen” Themen wie Abtreibung (und ungeborenes Leben allgemein) und Homoehe immer aufschreien, sich um andere (tages-)politische Fragen, wo ein christlich fundiertes Statement (mindestens) genauso wichtig wäre, aber nicht zu kümmern scheinen.

  14. Kommentar von Altfried am 21. April 2008

    Lieber Daniel,

    bei aller Fehlerhaftigkeit und Schwäche der Kirche(n) als Institution(en) wie mir und anderen als Christen in unserer Individualität kann ich Deine Unterstellung, man melde sich in Fragen der sozialen Gerechtigkeit nicht oder nicht konkret genug zu Wort, nicht so unwidersprochen im Raume stehen lassen.

    Sowohl auf höchster Leitungsebene (für Katholiken gesprochen: durch die Päpste) wie auch auf der mittleren und unteren Ebene (Bischofskonferenzen, christliche Gewerkschaften, Arbeiter- und Handwerkerbünde wie KAB, EAB oder Kolping, einzelne Christen) gibt es unzählige Lehrschreiben und Stellungnahmen zu sozialen Fragen seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein.

    Doch nicht nur in Wort, sondern auch in der Tat setzen sich zahllose Christen beruflich wie ehrenamtlich (z. B. in Caritas und Diakonie) für sozialen Ausgleich und für die Benachteiligten in den verschiedenen modernen Gesellschaften ein. Das fängt beim schlichten Kranken- und Hausbesuch in den Gemeinden an, geht über die regelmäßigen Mittagstische für Bedürftige und Schulaufgabenhilfen für benachteiligte Kinder und reicht weit über die entwicklungsorientierten Partnerschaften mit Gemeinden in der so genannten Dritten Welt hinaus.

    Bei all dem bleiben wir als Kirche(n) und Christen sicher immer wieder hinter den Notwendigkeiten zurück, aber dass wir als Einzelne wie als Gemeinschaften uns nicht für das Leben zwischen Geburt und Tod einsetzten – dieser Vorwurf scheint mir nicht nur sehr pauschal, sondern auch unberechtigt zu sein.

    Zudem taugt er insgesamt wenig als Argument bei der Klärung der Frage, die diesem Blog eigentlich zugrunde liegt:

    - entsteht mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle menschliches Leben, oder nicht?

    - wenn ja: genießt es von allem Anfang an eine unveräußerliche Würde und einen Wert in sich?

    - wenn ja: kommt ihm der grundgesetzlich verankerte uneingeschränkte Schutz zu?

    - wenn ja: ist die Embryonen verbrauchende Stammzellforschung dann ethisch vertretbar?

    Zu diesen Fragen darf und sollte sich m. E. nach jeder Christ und jeder Mensch ernsthafte Gedanken machen und sich positionieren, auch wenn er in anderen Bereichen ethischer oder sozialer Fragen noch keine oder keine zufrieden stellende Positionierung gefunden hat.

    Nichts für ungut, und mit guten Wünschen,
    Altfried

    PS: in puncto „Kirche und Soziale Gerechtigkeit“ lohnt vielleicht einmal ein Besuch auf

    http://de.wikipedia.org/wiki/E....._Schreiben

    oder das Googlen mit „Rerum novarum“, „Quadragesimo anno“, „Mater et magistra“, „Pacem in terris“, „Populorum progressio“, „Laborem exercens“, „Sollicitudo Rei Socialis“ u. v. a. mehr …

    Weitere Quellen u. a. bei
    http://www.caritas.de/39341.html oder
    http://www.dbk.de oder
    http://www.ekd.de/EKD-Texte/2064.html oder, oder, oder - wer lesen will, der lese …

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