Andacht zum Wochenspruch.
11. 12. 2006 | von: David Brunner
Im Folgenden eine Andacht zum Wochenspruch, die ich heute im Predigerseminar gehalten habe.
Meiner Andacht zu Grunde gelegt habe ich den Wochenspruch für diese Woche. Er steht in Lukas 21,28:
»Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.«
Unweigerlich musste ich an Donnerstag Abend denken. Auch wenn es ein anderer Kontext war – wir taten nichts anderes, als dass wir unser Haupt erhoben: mit einem Buch auf dem Kopf. Wir marschierten »erhobenen Hauptes« durch die Kapelle und den Musiksaal.
Ich glaube nicht wirklich, dass der Verfasser des Lukas-Evangeliums damals unsere Situation heute vor Augen hatte. Dennoch ist es vielleicht ein schönes Bild, um sich vorzustellen, was es bedeutet, das Haupt zu erheben.
Wer sein Haupt erhebt, geht aufrecht durch die Welt. Er geht nicht gebückt und er geht nicht niedergeschlagen, sondern eben »erhobenen Hauptes«.
Schauen wir zurück auf den Wochenspruch, entdecken wir die Aufforderung, die an uns gerichtet ist. Wir sollen »aufsehen und das Haupt erheben«. Aufsehen zu Christus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Doch – ob wir es wollen oder nicht, impliziert diese Aufforderung, dass irgendetwas mit uns nicht stimmt. Denn warum sonst sollten wir »aufsehen und unser Haupt erheben«?
Blicken wir in den Kontext des Verses, könnte es uns Angst und Bange werden:
»Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.« (Lukas 21,25-28)
Starke Worte. Furchteinflößende Worte. Ja, vielleicht sogar unglaubliche Worte. Aber müssen wir bis ans Ende dieser Welt schauen, um die Aufforderung, »aufzusehen und unser Haupt zu erheben« ernst zu nehmen? Gibt es nicht auch jetzt schon Dinge, die uns niederdrücken, die für uns eine Last sind, die uns den aufrechten Gang nehmen? In unserem Lehrvikariat oder im Privaten?
Auch hier können wir dieser Aufforderung nachkommen, unser Haupt erheben und aufblicken auf Christus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens.
ABER: Können wir das wirklich machen? Können wir dieser Aufforderung aus eigenen Kräften nachkommen? Einfach so unser »Haupt erheben« und »aufsehen«? Ich glaube nicht. Wäre dies der Fall, würden wir uns auf einen Automatismus verlassen: Problem haben, aufsehen, Problem weg, Happy End. Ganz so einfach geht’s nun aber doch nicht.
Dennoch sagt Jesus: » Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.« (Matthäus 11,28-30)
Jesus möchte uns Last abnehmen, damit wir aufsehen und unser Haupt erheben können.
Gerade in der Adventszeit bekommt der zweite Teil des Wochenspruches eine besondere Bedeutung: »…weil sich eure Erlösung naht.« An Weihnachten feiern wir, dass unser Erlöser geboren wurde, dass Gott Mensch wurde. Es liegt in der Natur des Menschen, vieles auszuprobieren. So machen wir das auch bei unseren Lasten. Manchmal tut es gut, darüber zu reden oder einfach mal die Seele baumeln zu lassen.
Das alles kann helfen. Doch gerade Weihnachten will uns zeigen: deine Erlösung naht sich. Und vielleicht können wir in dieser Adventszeit ganz bewusst oder aufs Neue unsere Lasten bei Jesus ablegen – wie auch immer wir das jeweils tun.
Auf dass wir hoffen können, dass er uns hilft und wir wieder erhobenen Hauptes weitergehen können, weil sich unsere Erlösung naht.
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